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Kira

Dass ich diesen Beitrag ernsthaft verfasse, will und will nicht in meinen Kopf gehen. Es scheint so unrealistisch und so weit weg. Wenn ich runter gehe ins Wohnzimmer, liegt sie bestimmt auf der Couch. Aber das tut sie einfach nicht. 13 Jahre Kira sind vorbei.

Ich denke immer, dass es niemanden auf dieser Welt gab, der sich mehr einen Hund gewünscht hat, als ich. Meine Eltern hatten beinahe eine Krise, weil ich ihnen so auf den Geist gegangen bin, nachdem eine Nachbarin weggezogen ist, deren Hund ich 3 Jahre lang spazieren geführt habe. Jacky. Foxterrier Glatthaar. Jackys Frauchen Gaby wollte mir Jacky bereits schenken, aber auch das war nicht mit meinem Vater zu vereinbaren. Meine Mutter hat sich irgendwann sehr intensiv für mich eingesetzt, weil sie gesehen hat, wie ernst es mir war und so sollte ich, als wir zum Familienbesuch in Polen waren zu meinem 15. Geburtstag meinen eigenen Hund bekommen. Meine Patentante hatte zu dem Zeitpunkt einen Berner Sennenhund Welpen und so war mein Vater auch irgendwie einigermaßen eventuell ein bisschen positiv gestimmt, was die Anschaffung eines Hundes anging. Wir hatten 5 Tage Zeit, einen Hund zu finden. Ich hatte Angst, dass die Stimmung meines Vaters, einmal in Deutschland angekommen, kippen könnte, und so musst es sofort geschehen. Wir mussten DIREKT einen Hund organisieren. Meine Tante trommelte sämtliche Leute zusammen und alle sollten Ohren und Augen aufhalten. Es musste ein Foxterrier Glatthaar Welpe her. In Raciborska Dolina lag ein Wurf Welpen. Diese Welpen waren sage und schreibe schlappe 5 Wochen alt. Es war ein „Unfall“- Wurf, und der „Züchter“ sicherlich ein Mensch, von dem man keinen Hund kaufen sollte. Die Hunde lebten in ihren Zwingern, es waren Huskies, Rottweiler, Deutsche Schäferhunde und 2 Zwinger Foxterrier Glatthaar Hunde vor Ort. Lustige taubenartige Vögel tummelten sich auf dem Hof und die Welpen, die uns entgegen kamen, als der Zwinger geöffnet wurde, waren alle braun. Die Enttäuschung war sooo groß. Jacky war ein schwarzer Fox, und so sollte meiner auch werden. Der „Züchter“ sagte, das sei alles, was er momentan habe. Sehr interessant, denn nach einigen Minuten kam Kira aus dem Zwinger als letztes herausgewatschelt. Oh, sieh mal einer an. Doch ein schwarzer bei. Ich habe sie auf den Arm genommen, und versucht zu ignorieren, wie sie riecht, wie ihre Augen verklebt sind und wie viel Kot noch an ihrem Hintern hing. Es wurde sofort verhandelt, denn das macht man so mit Ware. Kira würde auf jeden Fall deutlich mehr kosten, als der Rest, weil sie ja die einzige in der Farbe ist. Meine Mutter wollte den Hund nur bezahlen, und abhauen, mein Vater wollte diesen offensichtlich nicht gesunden Welpen aber nicht mitnehmen. Ich hatte sie auf dem Arm und wollte nur noch weg. Aber mein Vater stand uns im Weg. Meine Tante hat ihn angefleht, vor Ort, vor versammelter Mannschaft. Meine Mutter, mein Vater, meine Schwester, meine Tante, mein Onkel, meine Cousine, mein Cousin. Dieser Mann, dem die Hunde gehörten und ich. Ich habe ihm Kira in die Hand gedrückt. Er hat sie auf seinen Bauch gesetzt und sie genau inspiziert. In dem Moment hat sie hochgeschaut und ihm über die Nase geschleckt. Schweißgebadet hat er sie mir zurück in die Hand gedrückt und sagte: „Lasst uns diesen Köter mitnehmen und abhauen. Ich brauche ein Bier.“ Meine Mutter hat Kira bezahlt und wir waren weg. Kira_003

Im Auto dann schien es einen neuen Sinneswandel zu geben. Mein Vater war auf einmal total happy und beteuerte meiner Mutter, wie glücklich er sei, mit ihr, zwei gesunden Kindern und diesem. Hund. Alles war gut. Ich hatte mein soooo lang herbeigesehntes Ziel erreicht. Nachdem wir die Würmer und alle anderen Unannehmlichkeiten, die Kira so hatte, los waren, schien es mir, als wollte sie nicht wachsen. Das einzige, das größer wurde, waren die Ohren, weil sie begannen, sich aufzustellen, und die Nase. Die wurde immer spitzer. Kira hatte einfach nichts von dem, was ich so an Jacky geliebt habe. Nur die Farbe. Aber sonst nichts. Ich war lange enttäuscht, gab es in meiner Clique damals nur Husky und Schäferhund- Mixe. Na und dann Kira, die immer ausgelacht wurde, weil sie kleiner war, als der Fußball von Andy, und Jan hat immer gefragt, wann ich die Batterien mal wechsel. Andere nannten sie „Catdog“, weil sie klein war und so spitze Ohren hatte, wie eine Katze. Kira_012

Sie ist nicht besonders gut gefolgt, so wie man es von Welpen kennt, sie war immer sehr auf ihr eigenes Ding bedacht und durfte im Bett schlafen, hat Essen von allen am Tisch bekommen, ihr voll gefüllter Napf stand ihr ebenfalls immer zur Verfügung und draußen wurde Gehorsam vorausgesetzt. Nicht antrainiert oder gutes Verhalten bestätigt. Nein, ein Hund hat doch zu hören! Ich war der totale Anfänger und meine Eltern waren eigentlich raus aus der Nummer. Es gab keine großen Probleme und außerdem war es ja mein Hund. Es hat wirklich ewig lange gedauert,  bis wir einigermaßen miteinander zurecht kamen. Ich habe mit ihr den Hundesport begonnen, weil der Gedanke für mich, mit einem Hund als Team zu agieren, einfach so unbeschreiblich schön war. Wir haben ewig lange für die BH gebraucht, trainiert wurde damals einmal wöchentlich auf dem Hundeplatz und das wars. Deswegen haben wir neben dem Agility auch THS begonnen, weil ich unbedingt auf Turniere mit ihr gehen wollte und eine BH damals im THS noch keine Voraussetzung war. Kira und ich waren einfach immer zusammen. Wir sind mit dem Bus in die Stadt gefahren, um von dort den Zug nach Ahlen zu nehmen, um von dort 25 Minuten zum Hundeplatz zu laufen um dort dann eine Stunde zu trainieren und den ganzen Weg wieder zurück nach Hause zu nehmen. Wir sind Inliner gefahren, Fahrrad, wir waren gemeinsam schwimmen, haben gezeltet, sind verreist. Kira_046

Ihre Vorderpfoten haben ihr recht früh Probleme bereitet und kein Arzt hat jemals herausgefunden, was genau das Problem eigentlich war. Wir haben sie auf Pilze untersucht, wir haben mit Vitaminen und Zusätzen versucht, die Haut aufzubauen, wir haben eine Entzündung herbeigewünscht, um aus dieser spezielle Antikörper nur für Kira und ihr Problem zu entwickeln, wir haben in Lauge gebadet, wir haben auf Fremdkörper untersucht. Irgendwann war der Verdacht auf Arthrose da, durch welche es zu einer Fehlbelastung kommen sollte, durch welche sie sich die Ballen so wund laufen sollte. Das war nicht der Fall, allerdings wurde im Röntgen klar: Die Kira hat Spondylosen. Ich glaube das war bereits 2007. Seitdem habe ich sie aus dem aktiven Sport heraus genommen und nur noch nebenbei trainiert. Ich dachte mir immer, es sei für sie so schöner, wenn sie dem, was sie so gerne tut, noch nachgehen kann, anstatt dass ich ihr alles vorenthalte, nur weil sie belastet ist. Nach einer gewissen Zeit war aber klar, dass das gar nicht mehr lange möglich war. Ständig hatte sie Schmerzen, ständig wollte sie nicht mehr laufen und ihre Bewegungsfreude und generell der Spaß an allem haben sehr stark abgebaut. Selbst die Amputation des einen Ballen, der ihr die meisten Probleme bereitet hat, hat nichts gebracht. Kaum war der weg, waren die anderen Ballen genauso befallen. Kira_296

Rückblickend habe ich das Gefühl, dass meine aktive Zeit eher kurz war mit Kira. Ich erinnere mich heute kaum noch daran, wie sie geflitzt ist, ihrem geliebten Ball hinterher, oder wie ich mit ihr auf einem Turnier gestartet bin. Wie sie am Fahrrad gerannt ist. Obwohl sie erst seit Freitag nicht mehr da ist, sind diese Bilder schon so lange blass. Seit einer geraumen Zeit habe ich sie im Kinderwagen durch die Gegend geschoben. Da ich seit 2006 immer andere Hunde neben Kira hatte, sehr aktive Hunde, wollte ich sie nicht ausschließen; das Tempo konnte sie aber nicht mehr mithalten. Nach meinen Chemos 2012 weiß ich, dass sie noch ein paar Mal geflitzt ist. Aber danach hat sie immer mehr und mehr abgebaut. In der letzten Zeit wollte sie auch nicht mehr unbedingt mit uns raus. Es war immer so ein zweischneidiges Schwert: Nehme ich sie raus in den Garten und spiele mit ihr, ist sie am nächsten Tag steif und hat Schmerzen. Tue ich das nicht, macht Kira gar nichts, was schlecht ist für die Muskulatur und für mein Gewissen. Kira_287

Kira hat alle Hunde, die ich nach Hause geschleppt habe, ertragen. Meinen ersten Sheltie Skylight. Meinen zweiten Sheltie Joulean. Nino. Flora. Lane. Polly. Sogar Alanis hat sie am Ende noch ertragen, nachdem sie ihr zweimal gesagt hat, dass sie zwar alt ist, und schlecht sieht und hört, ihr aber nicht auf den Sack zu gehen ist, weil sie immer noch der Boss ist. Kira war ein Hund, der durch einfache Anwesenheit eine so souveräne, klare Ausstrahlung hatte, dass KEINER das in Frage gestellt hat. Nicht mal Polly. Sie hat Jahre lang mit mir im Bett geschlafen, in meinem Arm. Immer in der selben Position. Es schien, als sei ihr Körper auf meinen abgestimmt. Sie hat mir immer alle meine Fehler verziehen, alle Leute gemocht, die ich mochte und all diejenigen, die ich nicht mochte, auch nicht gemocht. Sie war nie nachtragend. Wenn ich ihr auf den Sack gegangen bin, hat sie sich beschwert und ist dann einfach gegangen. Ihr eigenes Ding eben. Früher haben immer alle gesagt, dass sie genau der richtige Hund für mich sei. Ich fand das immer total blöd und wollte eher einen Hund, der mehr von sich aus kooperiert und sich vor allem mehr an mir orientiert. Deswegen habe ich mir einen Sheltie gekauft. Und dieser wiederum hat mich belehrt, dass alles, was ich wirklich wollte, bereits schon lange da war. Kira war wirklich nicht der Hund, den ich mir am Anfang vorgestellt habe. Aber sie war genau der Hund, den ich brauchte und der das richtige für mich war. Fast mein halbes Leben hat sie mich begleitet und es geht und geht nicht in meinen Kopf rein, dass ich sie nie wieder anfassen kann. Nie wieder auf die Wiese trage und ab jetzt nur noch 3 Gute- Nacht- Küsschen verteile. Man denkt, man ist irgendwie vorbereitet. Aber wie kann man sich bitte auf sowas vorbereiten? Kira_515

Ich habe immer gesagt, dass ich sehr viel Angst davor habe, den „Punkt“ zu verpassen. Letztendlich war es so, dass ich 3 Tage hatte und am Donnerstagabend bereits gespürt habe, die Zeit ist rum. Sie war schon lange inkontinent, allerdings hat dies in den letzten 2 Wochen noch einmal akut zugenommen. Das war aber okay, wir hatten spezielle Decken, zur Not eine Windel usw. Hätte sie ihren Stuhl nicht mehr halten können, wäre das was anderes gewesen. Das war immer das, was ich mir gesagt habe. Dann hätte ich mich fragen müssen, wie lebenswert ein solches Leben noch ist, wenn der Hund sich selbst einscheißt. Am Donnerstagabend habe ich sie mit rausgenommen und sie hat nichts gemacht, obwohl sie zuletzt vormittags draußen war. Einen Tag zuvor habe ich sie bereits mit nach oben genommen und es ihr unter meinem Bett gemütlich gemacht, damit sie nicht in dem Trubel von Alanis und Polly rumliegt und einfach ihre Ruhe hat. An der Art und Weise, wie sie sich hingelegt hat, wusste ich es. Ich habe es einfach gesehen. Kira, und ein alter Bekannter lagen unter meinem Bett. Die Decken waren alle so nass wie noch nie, und. Es lag Kot drauf. Meine Grenze war überschritten. Freitagmorgen um 7 stand sie unterm Bett, sie stand einfach, und schwankte. Es schien, als sei ihr schwindelig. Sie war einfach wackelig auf den Beinen. Um 8 kam Serena, mit der ich eigentlich trainieren wollte. Ich habe das Training am Vorabend schon abgesagt, weil ich mit Kira zum Arzt wollte. Als Serena da war, war Kira bereits nicht mehr anwesend. Sie reagierte weder auf Ansprache noch auf Berührung. Zusätzlich hatte sie einen Nystagmus und hielt den Kopf schief. Ich bin keine Medizinerin, aber ich kenne es von meinen Ratten. Irgendwann weiß man einfach, wie ein Schlaganfall aussieht. Sie hatte bereits eine sehr niedrige Temperatur und nachdem wir die Notfallnummer gewählt haben, sind wir unverzüglich mit ihr zum Arzt. Das Herz hat nur noch schwach geschlagen, der Kreislauf war so hinüber, dass der Zugang für die Spritze kaum gelegt werden konnte und ich habe keinen Unterschied nach der Narkose gemerkt zu dem Zustand, in dem wir sie dort hinbrachten. Als der Arzt sagte, dass wir sie nur noch Erlösen können, dachte ich, dass ich auf Anhieb zusammenbreche. Mir ist so schlecht geworden. Ich bin so dankbar, dass Serena dabei war und mich aufgefangen hat, und mir gesagt hat, dass es das einzig richtige ist. Ich wusste es selbst, aber man will es nicht wahrhaben. Kira war nicht mehr da. Ein letzter Kuss auf die Stirn, und der letzte Atemzug. Durch dick und dünn. Kira und ich haben alles gemeinsam gemacht. Kira_036

4Ms - Gute Reise Kira.. Herzliches Beileid Daria….16. August 2016 – 14:12

Lisa - Ich glaub es gibt kein Wort und keinen Satz, den man schreiben könnte, um irgendwie auszudrücken, was es mit einem macht, wenn sie gehen. Insbesondere, wenn der erste Hund geht. Ich glaube, besser hätte man es trotzdem nicht beschreiben können. Diese bohrende Frage im Kopf, wann es soweit ist. Die Erkenntnis, dass man es doch irgendwie schon weiß. Dieser Moment, in dem man sich entscheidet. Oder besser, in dem sie uns die Entscheidung abnehmen, Ich weiß noch wie es bei Barni war, meinem ersten Hund. Und auch bei Turbo. Es brennt sich fest wie viele andere Momente. Ich wünsche dir, dass du schnell zurückdenken kannst und lächeln musst anstatt zu heulen. Run free Kira.15. August 2016 – 16:57

Wally - So schön geschrieben, musste schon ein paar Tränen verdrücken, weil es mich so an meine alte Hündin erinnert hat. Ich habe deine anderen „Berichte“ auch gelesen und du hast eine Art etwas zu erzählen die einen fasziniert und mitreisst. Danke das du uns so teilhaben lässt…..du bist schon ein besonderer Mensch, auch wenn du das bestimmt nicht hören bzw. lesen willst. Schön das wir dich kennengelernt haben und deine wundervolle Art Hunde zu fotographieren.

Alles Liebe Wally10. August 2016 – 18:12

Alanis Update

14 Wochen sind meine Babies heute, wir befinden uns mitten in der Sozialisierungsphase und geben uns natürlich extrem viel Mühe, Alanis so viel wie möglich so angenehm wie möglich zu zeigen, damit sie ein cooler, wesensfester und glücklicher Hund wird. Die Erfahrung, die ich jetzt mit dem Welpen mache, der bei mir Zuhause auf der Couch auf die Welt gekommen ist, und seit der ersten Sekunde wirklich MEIN Hund ist, ist sooo anders, als jede, die ich mit jedem anderen Hund gemacht habe. Ich weiß von Anfang an bis nun zur 14. Woche ganz genau und exakt, was der Hund kennengelernt hat und was nicht. Und so habe ich eine imaginäre Liste, die ich abarbeite. Wir haben nun diverse Parks, Wiesen und Hundeplätze durch, Autofahren war recht fix gar kein Problem mehr, mit 3-4 Wochen haben wir sie im Körbchen schon rumkutschiert, sie kennt es, in verschiedenen Umgebungen und Wohnungen zu schlafen und zur Ruhe zu kommen, wir haben viele Ausflüge in die Stadt gemacht, daher kennt sie Busse, viele Autos, Menschen, Einkaufszentren, am Bahnhof war ich mit ihr, wo wir auf die Ankunft von Zügen gewartet haben, und zugeschaut haben, wie sie wieder wegfahren, wir waren sogar schon im Tierpark, wo sie Erdmännchen, Seehunde und diverse Affen kennengelernt hat (ich meine, okay, dafür muss man ja nur auf die Straße und nicht speziell in den Tierpark…), sie kennt super viele verschiedene Hunde, von groß bis klein, sogar Bearded Collies und Chinese Cresteds 😀 momentan haben wir einen Mini Bull Terrier in Pflege, also kennt sie es auch schon, dass hier Hunde ein und ausgehen. Wir haben einfach schon sooo viel mit ihr gemacht. Rundum hat sie bislang noch nicht einmal Angst oder Unsicherheit gezeigt. Sie ist bis hier hin ein kleiner, umgänglicher, gefestigter Hund, der allem Neuen offen und neugierig entgegen sieht. Anders als Polly ist sie aber nicht so „drüber“. In letzter Zeit fällt mir immer mehr der Unterschied zwischen den beiden auf, wobei ich fast vermute, dass das auch etwas rasseabhängig ist. Lane ist zuhause auch extrem ruhig. Sie kann auch auf einem Turnier unangeleint auf einem Stuhl oder einer Decke liegen, während das Turnier weiter läuft und diverse Hunde vor ihrer Nase her flitzen. Polly kommt im Hundesportzentrum an, läuft einmal auf und ab, bringt sich selbst auf 180, schreit erstmal was das Zeug hält, stranguliert sich, und muss direkt wieder raus, bevor wir starten können, weil sie Durchfall hat vor lauter Aufregung. Alanis ist weder an Menschen noch an Hunden übermäßig interessiert. Sie ist auf jeden Fall neugierig und freundlich und geht mal gucken, aber das wars dann auch. Polly war kaum abzurufen, ganz ganz lange und ich hatte viel Arbeit und Mühe, sie so zu konditionieren, dass sie bei MIR bleibt, wenn sie Menschen oder Hunde sieht. Einfach übertrieben freundlich und immer volle Möhre voraus. Ich habe mich bis vor kurzem gar nicht richtig getraut, Alanis groß abzuleinen, weil Futter für sie nicht so wichtig war, genauso wie Spielzeug und ich nicht wirklich wusste, womit ich sie kriegen soll. Mittlerweile könnte ich mit ihr unangeleint den ganzen Hof entlang, auch wenn die Kinder Fußball spielen oder die Nachbarshunde frei herum laufen. Sie hat eine sooo gute Bindung und Essen hat plötzlich einen ganz großen Stellenwert für sie, was ich ja vermutet hatte, da Lane genauso war, und Polly diese Phase auch hatte. Ich habe es gerade mal gemessen: 8,5cm groß ist der Spalt unter der Schwingtür zur Küche. Alanis braucht keine 2 Sekunden, um mit ihrer mittlerweile perfektionierten Technik da durch zu huschen und sich den Bauch am Hundefutter selbst oder am Müll vollzustopfen. Das Welpengitter ist momentan leider nicht wegzudenken, denn es steht nun vor der Schwingtür, die die Hunde daran hindern soll, sich permanent in der Küche aufzuhalten. Zweimal ist es Alanis nun gelungen, sich in einen kleinen Zeppelin zu verwandeln, weil sie sich so vollgestopft hat. Faszinierend, weil sie bis vor 2-3 Wochen noch lieber Federn, Nüsse oder Gänseblümchen gesammelt hat, statt für mehr als eine halbe Hand voll Futter zu arbeiten. Spielen tut sie gerne, allerdings am liebsten mit den anderen. Draußen findet sie immer total viel ihres Drumherums interessant, und so ist sie wirklich der erste Hund, den ich mir gezielt mit 2 Spielzeugen in der Hand mit nach draußen nehme, um zu spielen. Es irritiert mich sicherlich ein wenig wegen Polly, die vor 1  Jahr selbst noch ein Welpe war, weil Polly ein Baby war, von dem ich dachte, dass ich es niemals überzeugen könnte, die Beute jemals wieder los zu lassen. Ich erinnere mich, dass Lane ganz ganz lange draußen gar nicht spielen wollte, sondern nur drinnen. Aber schade finde ich es dennoch. Ich hoffe, dass sich das zeitnah ändert. Zum Glück ist sie nicht gänzlich abgeneigt. Ich denke, es ist so eine Stellenwert- Geschichte wie mit dem Futter. Kommt alles zu seiner Zeit. Die Zahnung hat jedenfalls noch nicht begonnen, aber dafür verbiegen sich die Ohren in alle Himmelsrichtungen:)Ach, was habe ich das vermisst. Unterm Strich kann ich also zu den positiven Dingen sagen:

  • sie kennt die Regeln. Sie weiß, dass wir Kira nicht nerven, sie weiß, dass wir nicht aus dem Wohnzimmer stürzen, wenn die Tür aufgeht zb, sie weiß, dass sie als letztes ihr Futter bekommt
  • sie ist offen, neugierig, freundlich und niemals ängstlich
  • sie ist anhänglich, verschmust und hat eine sehr gute Bindung
  • sie rennt nicht zu jedem Hund, zu jedem Menschen und kommt auf Zuruf sehr gut
  • sie orientiert sich an den anderen Hunden, ist alleine unterwegs aber ebenfalls souverän
  • sie arbeitet mittlerweile richtig gerne für Futter
  • sie lernt enorm schnell und bietet immer eigene Ideen an
  • sie ist fröhlich, verspielt und immer gut drauf
  • sie ist verträglich, umgänglich und ausgeglichen, und schafft es, sogar beim Tierarzt einzuschlafen.

Ja, und dann sind da ein paar Sachen, die mich momentan ein wenig nerven. Darüber, dass sie permanent in die Küche einbrechen will, brauchen wir nicht reden. Vor 4 Wochen meinten wir noch, dass sich das Problem von alleine erledigt, wenn sie größer wird, aber sie wird irgendwie nicht viel größer. Ich hatte große Sorge wegen einer Magendrehung, aber meine Tierärzte haben mir Entwarnung gegeben und meinten, dass das bei so kleinen Hunden eher nicht vor kommt. Da sie sich hier bereits 2 mal den Bauch vollgeschlagen hat, und einmal ihren Pansen warum auch immer nicht so gut vertragen hat, haben wir entschieden, dass sie temporär doch wieder im Kennel schläft, weil sie einfach mehrfach nachts die Bude vollgeschissen hat. Richtig eklig ist dann, dass Lane nach wie vor bei der Beseitigung hilft, und ich das Ausmaß dann nicht mal wirklich einschätzen kann. Total nervig an dieser Geschichte ist, dass sie anfänglich die ganze Nacht durch geschlafen hat, seit 3-4 Nächten allerdings 2-3 mal pro Nacht aufwacht und so einen Terz macht, dass wir sie bislang abwechselnd raus genommen haben, damit sie überhaupt nicht dringend 2 Tropfen Pippi machen kann. Ich denke, dass das jetzt dringend eingestellt werden sollte, weil ich überzeugt davon bin, dass sie nicht wirklich „muss“ sondern uns konditioniert und den Spieß ein wenig umdreht. Außerdem ist es mega kontraproduktiv, dass sie natürlich immer dann, wenn der Terror und Radau am größten ist, heraus genommen wird. Etwas mehr Fokus auf Spielzeug wäre auch schön und ein wenig mehr wachsen 😀 Dann erledigt sich auch das erste Problem wieder 😉 Ja, und wo wir auch noch dran müssen: Wird das Essen in der Küche zubereitet, springt sie von der Menschen- Couch über die Wohnzimmertische auf den Boden/ auf die Hundecouch, von da wieder auf die Menschen- Couch über die Wohnzimmertische auf den Boden/auf die Hundecouch etc. pp. Ich erinnere mich, dass ich total schockiert war, als ich Polly das erste Mal mit 12 Wochen besucht habe und sie nur Couch rauf- und Couch runter gezeigt hat + Treppen ins höhere Stockwerk in einem Affenzahn rauf und runter. Ich dachte mir so, wow, sie ist noch so klein, wieso wird das von der Züchterin geduldet? Ist doch voll schlecht für die Gelenke? Und jetzt habe ich hier einen gleichaltrigen Manchester Welpen und weiß, wieso das „geduldet“ wird. Es ist KAUM zu unterbinden!

Ein anstrengendes Wochenende

Jap, ein mega anstrengendes Wochenende liegt hinter uns und ich bin so froh, dass Montag ist!!! Da ich primär selbstständig arbeite, kann ich mir meine Aufgaben Gott sei Dank einteilen, wie es mir passt und mich mit Dingen befassen, nach denen mir ist, und muss nicht 5 Tage die Woche von Montag – Freitag einem Job nachgehen, den ich nicht ausstehen kann. Das Wochenende war sehr stressig und sehr turbulent und für mich sehr emotional. Freitag als ich nach Hause kam, fragte Daniel mich nur, ob ich von dem Anschlag in München gehört hätte. Ich habe auf dem kurzen Weg nach Hause nur Bruchstücke im Radio auffangen können, mir war allerdings (noch) nicht bewusst, dass es sich um München handelte und um einen neuen Anschlag. Irgendwie war ich noch bei dem Anschlag auf Nizza… Okay, nun also auch Deutschland. Klingt brutal, war aber eine Frage der Zeit, oder? Da ich sehr müde war, und es am Samstagmorgen nach Solingen ging (warum melde ich in Solingen???), musste ich früh aufstehen, weswegen es auch früh ins Bett ging. Morgens bereits mit ner wunderbaren Migräne, die mich das ganze Wochenende begleiten sollte, aufgewacht, hatte ich schon den ganzen Morgen das Gefühl, nicht sonderlich gut organisiert zu sein. Ich möchte und würde niemals sagen, dass ich überfordert bin, mit 4 Hunden, aber es ist echt eine riesige Umstellung momentan. Zuallererst muss der Zwerg in Rekordzeit raus, da wir uns bereits vor 2 Wochen entschieden haben, dass wir sie recht frühzeitig an das Schlafen außerhalb des Kennels gewöhnen wollen. Im Prinzip ist Alanis auch stubenrein, wenn wir oft genug mit ihr rausgehen, und die „Anzeichen“ richtig deuten. Klappt also wirklich gut, darf aber morgens nicht zu lange dauern. Dann ist Polly direkt auf 180. Meistens geht sie mit Lane zusammen raus. Dann pöbelt sie erstmal rum, muss direkt die ersten 74 Runden im Vollspeed im Garten drehen und Lane beim Pinkeln permanent anrempeln. Wenn das erledigt ist, gehen die 2 auch wieder rein zu Alanis, und dann trage ich Kira raus, die nicht mal mehr auf die Wiese gehen will (Heute habe ich erstmal ein stärkeres Schmerzmittel für sie beim Tierarzt besorgt:(). Kira eiert dann hier und da ein wenig rum, und muss dann wieder rein getragen werden. Wenn das dann erledigt ist, muss ich zusehen, dass ich alles beisammen habe. Alle Papiere und Unterlagen, eine Adresse, meinen Kalender, damit ich auf dem Turnier meine weitere Woche planen kann, Futter für den Welpen, Futter für Lane und Polly, Futter für Kira (kriegen ja alle anderes Futter- Puppy, Senior + Normal) und Futter zum Warmmachen / als Bestätigung. Lanes Schnuffel wo das Futter reinkommt darf im Leben nicht fehlen, Essen, Trinken, Geld, Fußballschuhe, normale Schuhe, lange und kurze Kleidung, man weiß ja auch nie wie das Wetter wird und und und. Am Ende checke ich nur 3 Sachen: Habe ich 4 Hunde? Habe ich alle Impfpässe und Leistungskarten? Habe ich meine Fußballschuhe? Wenn ich diese 3 Dinge alle mit „ja“ beantworten kann, werde ich den Tag schon irgendwie überstehen. Also gings auf nach Solingen. 1 Stunde und 15 Minuten. 1 Stunde und 15 Minuten, wo permanent über den Anschlag auf München, der ja gar kein Anschlag war, sondern ein Amoklauf (was die Sache an der Stelle direkt viel besser macht) berichtet wurde und mir irgendwie total zugesetzt hat. Auf einmal rückt der Anschlag auf Nizza in den Hintergrund, kein Schwein interessiert sich mehr dafür, wie viele Leichen in Libyen angespült werden oder dafür, dass in der Türkei der Ausnahmezustand herrscht, weil Erdogan den (inszenierten?) Putsch- Versuch nicht so witzig fand. Und dann sitzt du da so in deinem Auto, und fährst an einem Samstagmorgen auf Agility- Turnier. Mir war so schlecht. Irgendwie vergeht mir manchmal die Lust am Leben, an dieser Welt hier, wenn man sieht, was hier geschieht. Die Politiker kriegen es nicht geschissen, die Amerikaner feiern Donald Trump, in Deutschland erfreut sich die AfD immer größerer Beliebtheit und die Gesellschaft wird gespaltet, in den Teil, der Mitleid mit all den Flüchtlingen hat, die vor Krieg und Terror fliehen und den Teil, der einfach nur Hass auf diese Menschen hat, die weder die Sprache sprechen, noch sprechen wollen, weder gebildet sind, noch gebildet werden, die klauen, einbrechen, vergewaltigen usw. Jaaa, ich konzentriere mich auf mein Turnier. In Solingen angekommen habe ich auf dem Parkplatz geparkt, der uns in der Email empfohlen wurde. Dort stand ein kleiner Bulli, der unser Gepäck zum Platz gefahren hat, damit wir nicht mit all dem Ballast laufen mussten. Da ich nicht wusste, wie weit der Weg ist, weil ich noch nie in Solingen gemeldet habe, habe ich die Kira mal mit in das Auto gepackt. Lane ist mit anderen Menschen zu Fuß mitgegangen und ich habe mich mit Polly, die zum Glück schon richtig toll leinenführig ist (Hilfe …:() und mit Alanis, die Kein Geschirr hatte, weil dies in der Tasche war, die ich dem Shuttle- Service mitgegeben habe. Okay, ganz locker. Wird alles nicht so schlimm. Nach circa 15 Minuten Fußmarsch durch Dorf und Tal und Wald bin ich dann auch angekommen. Unterwegs im Wald sind wir Lane begegnet, die dann wieder mit uns mitgegangen ist, und so musste ich nur noch hoffen, dass auch die Kira vor Ort schon auf mich warten würde. So war es dann auch. am Platz angekommen war es… kuschelig. Es haben sage und schreibe 22 Zelte in die erste Reihe gepasst, was circa 1/5 des Platzes ausgemacht hat. Auf 2 von 4 Seiten gab es keine Möglichkeit Zelte aufzustellen und auf der einen der übrig gebliebenen 2 auch nur auf der halben Seite. Zufällig war dies die längere. Nachdem ich ewig lange nach einem Platz gesucht habe, habe ich an der Meldestelle gefragt, und mir wurde ein Platz zugewiesen auf dem ich die Heringe nicht in den Boden stecken konnte, weil es so steinig war. Nicht einen Hering. Bereits als fehlender Starter ausgerufen, fing eigentlich auch schon die Parcoursbegehung an. Bevor die mich also von der Liste streichen, weil ich nicht gemeldet habe, fix melden und zack in die Parcoursbegehung rein. Lane und Polly abgelegt, Kira im Kennel von Alanis, Alanis jemandem in die Hand gedrückt. Das Turnier fing mit A3 small an, Polly als 3./ 5, dann bereits Medium, Lane als 4. Und wie ich meine Parcoursbegehund so mache, fällt mir ein, dass meine Fußballschuhe noch im Auto sind:(:(:(HILFE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Also bin ich panisch aus der Parcoursbegehung heraus gerannt um den Mann vom Shuttle Service zu finden, ihm meinen Schlüssel in die Hand zu drücken Auto und Kennzeichen zu erklären und anzuflehen, meine Schuhe bitte zu holen. Gott sei Dank hat er mir diesen Gefallen getan, die Menschen waren wirklich alle sehr bemüht und engagiert und nett auf dem Turnier. Bevor es los ging musste ich mich erfreulicherweise noch einmal übergeben, es war irgendwie alles zu viel. Dann ging es auch schon los mit dem Turnier, Polly an Hindernis 5 ein Dis, auch mal wieder nicht ins Cap gegangen, sondern dusselig gesprungen, hin und zurück, Lane war ziemlich sauber, bis sie voll von der Wippe gerutscht ist, die einfach nur einen bescheidenen Belag hatte. Danke. Das waren mal wieder tolle Läufe. Ehrlich gesagt wollte ich nur noch weg. Ich habe Lane und Polly gepackt und bin einfach abgehauen. Das schönste an dem Turnier war wirklich direkt anliegend ein klitzekleines Stückchen Wald, mit einem kleinen Bach. Polly ist wie ne bescheuerte, ach wieso erwähne ich das überhaupt, Polly ist wie sie eben immer so drauf ist, durch das Wasser gerannt, während Lane sich darüber aufgeregt hat, dass Polly durchs Wasser rennt, weil sie selbst Wasser scheiße findet. Daniel angerufen, bei Daniel ausgekotzt und mit Daniel entschieden: Ich hänge die Deutsche Meisterschaft dieses Jahr an den Nagel. Lane und Polly haben dieses Jahr extrem viel geleistet, Polly ist in Rekordzeit in der A3 gewesen, vor 3 Monaten war ihr erstes Turnier, Lane hatte Welpen, es ist okay, wir setzen dieses Jahr einmal aus. Anschließend haben Alanis und ich die Runde gemacht, und dann habe ich Kira zum Wasser getragen, in dem sie dann genauso stehen geblieben ist, wie ich sie hingestellt habe. Keine Bewegung, kein Interesse. Nicht mal, als ich ihr Steinchen ins Wasser geworfen habe, die lustige Geräusche gemacht haben. Puuuuuuuuuuuuuuuh… Ich hatte echt Mühe mich abzulenken. Der Jumping war extrem selektiv, auch wenn ich solche Läufe grundsätzlich mag. Ich hatte mit meinem Brumm- Schädel totale Schwierigkeiten, mir zu merken, dass ich bei Lane an der 2. Hürde nach dem Tunnel ein Cap mache, wohingegen ich Polly eher den langen Weg schicke, nachdem es im A-Lauf so miserabel geklappt hat, und Lane auch in den Slalom schicke von außen, und bei Polly soweit mitlaufe, dass ich hoffentlich an Ort und Stelle bin. Hat geklappt.

Beide Hunde haben den Jumping gewonnen, Lane war der schnellste Hund aus der gesamten A3 und Polly, die 1,5 Sekunden länger gebraucht hat, als Lane, der zweitschnellste. Auch eine Feststellung, die wir schon lange gemacht haben: Mit dem Wahnsinn bewegst du dich einfach immer an der Grenze. Kommt eine von beiden durch, wird es schwer, sie zu schlagen- es sei denn, sie haben mega weite Wege durch zu viele Bögen (hallo Lane!). In der Regel kommen sie aber einfach nicht so oft durch. Und das zeigte sich wieder am Sonntag. Ich habe mich auf den Sonntag megamäßig gefreut, auch wenn ich wieder zurück und wieder hin fahren musste, um dann wieder zurück zu fahren, aber den Gedanken, dort auf dem Platz zu übernachten, habe ich so schnell verworfen, dafür gibt es keine Worte. Sonntag war ich besser organisiert, mein Kram war ja schon da, ich war viel früher da, und habe an der Straße direkt an dem Platz geparkt. Zwar auf eigene Gefahr und mit dem Risiko auf Teilschuld bei einem Unfall aber hey, mein BMW ist nichts mehr wert und ich habe einen Unfall im Jahr „gratis“ 😉 Lane und Polly haben nämlich insgesmat 30€ Gutschrift für eine Hundephysiotherapeutin gewonnen, und diesen Gutschein wollte ich unbedingt am Sonntag mit der Kira einlösen. Ich habe mich echt soooo doll darauf gefreut, dass ich direkt morgens einen Termin vereinbart habe und es kaum erwarten konnte, bis es 10.45 war. Zu meinen Läufe gibt es nicht viel zu sagen. Polly war einfach kaum ansprechbar, sehr ungehorsam für ihre Verhältnisse. Ist mir in den Rücken gelaufen, vom Steg runtergerast ohne Fokus auf mich, ausschließlich nach vorne, was total untypisch für sie ist, weswegen ich sie, nachdem wir 8 mal disqualifiziert waren, das erste Mal aus dem Parcours herausgenommen habe. Lane weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr. Beide haben den Slalom an der selben Stelle verweigert weil ich zu langsam war und mich (vielleicht?) für die falsche Seite zum Führen entschieden habe und meine Hunde irritiert waren. Zu wenig Fokus bei zu hoher Geschwindigkeit auf das richtige Gerät. Schlecht! Als die Kira dann endlich dran war, traf mich der Schlag. Ich konnte mich echt nicht mehr halten. Kira läuft schon länger so nebenher, sie funktioniert einfach in der Gruppe, mit Alanis ist es gar kein Problem mehr, nachdem Kira die Regeln aufgestellt hat, hat Alanis genug Respekt und wir können sie auch alle zusammen ohne Sorgen unbeaufsichtigt in einem Raum lassen. Aber irgendwie ist die Verschlechterung ihres „Zustands“ etwas unter gegangen, weil der Fokus so auf den jungen Hunden liegt, die mich so beanspruchen. Und dann lag sie da, meine alte Kira, die sich nicht mehr an der Vorderpfötchen anfassen ließ. Alles zugewachsen und unflexibel durch diese beschissenen Arthrosen. Die Hüfte angeschlagen, der Rücken kaputt. Ich habe so geheult. Es war mir so peinlich. Auf einmal habe ich mich gefragt, wieso ich mich so auf die Physio gefreut habe. Irgendwann hat die Therapeutin das auch gecheckt und endlich aufgehört, mir all die Probleme, die Kira hat, aufzuzählen und auch mal was gutes zu sagen. Hat aber nichts mehr gebracht. Nachdem wir fertig waren, habe ich mir Kira unterm Arm geklemmt und bin wieder in den Wald geflüchtet. Sie waren zwar schon bei der A1, aber es wäre mir auch am Arsch vorbei gegangen, meine Parcoursbegehung für den Jumping zu verpassen. Kira wird irgendwann sterben und es wird sicher keine 5 Jahre mehr dauern. Und wenn ich nur einen Gedanken an den Tod hege, dann fällt mir immer und immer wieder ein, dass Conni tot ist. Dass sie Alanis niemals kennen lernen wird. Und dass ich selbst auch nicht so alt werde. Aber hey, der Tod gehört doch zum Leben dazu. Aufbauende Worte, die alles tun, nur nicht aufbauen. Dann ärgere ich mich wieder, weil meine Mutter immer meint, ich solle mir einen Job suchen, bei dem ich mehr Rentenbeiträge zahle 😀 Rente. Für mich. Als ob. Und sobald ich dachte, ich hätte mich wieder im Griff, schoss mir der nächste Gedanke durch den Kopf. Die Anschläge, der Amoklauf, das ganze Chaos auf dieser Welt, die so schön sein könnte. Okay, okay, auf den Jumping konzentrieren. Kopfschmerzen erreichen ihr Limit, das was ich sehe, ist verschwommen. Vielleicht hätte ich ja noch ein wenig Glück, so wie gestern und würde wenigstens 50% bestehen können. Die Parcoure von Dietmar Pantel find ich immer gut. Sie haben die entsprechende Schwierigkeit, die wir auch oft im HSZ haben, sind aber realistisch für einen gut ausgebildeten Hund. Der Anfang war mit beiden Hunden hakelig. Der Belgier an der 2 mit Lane war für Lane einfach nur ein absolutes Hindernis, sie musste total um mich drumrum springen, aber für einen Franzosen bin ich zu feige, den Rest habe ich retten können und dachte dann, dass ab da nichts mehr schief gehen könnte – zack an der 5 mal wieder nicht den Ausleger umkreist und aufs Kommando gehört sondern in den Tunnel geschossen. Hat mich echt enttäuscht. Hätte ich irgendwie besser von Lane erwartet. Mit Polly war der Belgier ok, sie springt ganz anders und verhält sich auf mit ihrer Größe und meiner Dusseligkeit wesentlich besser als Lane, die 4 war sie schon fast im Tunnel als ich da war, hat sie gerettet, wenn sie auch falsch herum gesprungen ist, als ich es wollte, aber auch das, alles gerettet, 5 Kommando, und zack, Tunnel. Tja, scheint so als hätte ich Nachholbedarf im Training. Also direkt zum Richter, Parcours klar machen. IMG_20160725_092556Nach einer Disquote von 75% also, total motiviert mit Migräne und Aura 1 Stunde und immer noch 15 Minuten nach Hause geeiert. Mein Fazit ist auf jeden Fall, dass ich erstmal keine 2 Tage mehr melden werde. Dieser Sport soll mir einen Ausgleich bieten zu dem üblichen Wahnsinn, mit dem man fertig werden muss, im Moment suche ich aber eher nach einem Ausgleich für diesen Ausgleich. Ich werde es nicht mehr machen, mir zu Liebe nicht mehr, aber auch den Hunden zu Liebe nicht mehr. Beide waren am Sonntag wesentlich unkonzentrierter und ich bin kein Fan von Ausreden wie „Ach, die Polly ist noch so klein“, oder, „Komm, die Lane hatte doch gerade erst Welpen“. Ich weiß, was meine Hunde können, und wenn ich sage, hier, cap, abbiegen bitte, und BEIDE (!!!) reagieren da nicht drauf, dann ist es gegebenenfalls etwas zu viel. Lane wird auch nicht mehr im HSZ angemeldet. Ich werde sie ausschließlich zu Hause trainieren und auf dem Hundeplatz:)Und kommendes Wochenende gibt es KEIN Turnier. Ich habe permanent das Gefühl, etwas machen zu müssen. Meine Zeit nutzen zu müssen. Und so packe ich mir Termin hinter Termin, Aufgabe hinter Aufgabe. Das wird sich jetzt erstmal wieder ändern, begonnen damit, dass es maximal 3 Foto- Termine die Woche geben wird, und ich finde es toll, dass ich noch nicht weiß, was ich am Sonntag mache:)

Turnier beim VEA Borken

Auf dieses Turnier habe ich mich richtig gefreut. Es war das erste offizielle Turnier, wo ich beide Hunde gemeldet hatte- Wobei ich mit Lane kurzfristig nachgerutscht bin, was wirklich sehr nett war. Ich hatte Lane nicht von vornherein gemeldet, weil ich nicht genau wusste, wie lange sie und vor allem das Gesäuge bräuchte, um sich zu regenerieren. Aber Lane geht es ausgesprochen gut, bis auf vergrößerte Brustwarzen (die der Grund für Verweigerungen und andere Dinge sind 😀 ) ist sie vermutlich sogar noch schlanker, als vorher. Das Turnier hat richtig Spaß gemacht, und ich denke, dass eine große Rolle auch einfach spielt, dass ich meine Einstellung oder Herangehensweise stark geändert habe und für mich irgendwie gefestigter und von gehässigen Leuten distanzierter bin. Des Weiteren waren meine Hunde und ich in bester Gesellschaft und das macht einfach enorm viel aus. Es war mit 150 Startern und einem seperaten Jumping 1 und Jumping 2 sicher auch ein langes Turnier, aber das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Ich würde gerne auch nach wie vor 3 Läufe laufen. Man ist eh da, die Anfahrt hat man auch gepackt, die Kosten trägt man sowieso, abends ist man immer müde und der Tag ist in jedem Fall „hin“. Die Leute waren gut drauf, der Veranstalter hat sich echt Mühe gegeben, die Parcoure fand ich von beiden Richtern echt total in Ordnung und super schön zu laufen. Für die 1 + 2 war zwar ein anderer Richter zuständig, als für die 3, aber beide haben super faire und machbare Wege gestellt, tolle Linien, entsprechende Schwierigkeiten aber auch Power- Teile zwischendurch:)Mega gut. Die Preise waren auch toll, selbst wenn wir nicht einen einzigen ergattern konnten, die Anlage ist nett und der Sprecher hat irgendwie gute Stimmung verbreitet, wobei er mit seiner Titelwahl für die Musik bei einer meiner zahlreichen Disqualifikationen mit „Barbie Girl“ naja, ganz minimal daneben gegriffen hat 😉  Ehrlich gesagt habe ich mich schon ganz lange darauf gefreut, wieder mit 2 Hunden an den Start zu gehen, weil dann die Chance auf einen guten Lauf natürlich verdoppelt ist (dieser Gedankengang klingt logisch, hat aber nicht geklappt am Wochenende), und weil man dann „mehr zu tun“ hat. Nun ist es so, dass Polly bereits in der A3 läuft, nachdem Lane nun auch wieder an den Start darf und die beiden sind so nah beieinander, dass ich eigentlich nicht viel mehr „zu tun“ habe. Es ist eher stressiger 😀 2 Hunde aufwärmen, nach dem ersten Lauf den ersten Hund zum runterfahren irgendwem in die Hand drücken und in Rekordzeit den anderen Hund nochmal „fokussieren“ usw usw usw. Dennoch hatte ich voll Bock und im Prinzip auch 4 mega gute Läufe. Im Prinzip beinhaltet natürlich schon ein aber. Aber, ich möchte gar nicht so groß drauf eingehen, hier liegt ein riesengroßer Berg, der abgearbeitet werden muss, weswegen ich fix einfach ein Video von allen 4 Läufen zeige und nur einen kurzen Kommentar dazu gebe. Polly war echt etwas blöd, kann ich dieses Mal wirklich und das erste Mal sagen. 3 Verweigerungen an einem einzigen Slalomeingang, der echt nicht soooooo schwer war, und dann im nächsten Lauf aus dem Tunnel geschossen kommen und einfach mal nicht gucken, wo ich stehe, sondern ich mich reinknallen. Aha. Gut gemacht, Polly. Lane war vom Gefühl her der Hammer. Einfach wahnsinnig, wie immer. Am Start erstarrt, wie immer, will sie sich weder hinlegen noch setzen, wie immer, jedoch beide Male liegen geblieben, auch auf große Distanz, ganz und gar nicht wie immer, und einfach granatenschnell und mit meeeega viel Bock unterwegs. Sie hat allerdings erstaunlich schlecht das Cik und Cap angenommen (Fokus und Wendung ums nächste Objekt), was uns eine echt dusselige Verweigerung nach der Wand und einen großen Bogen vor dem Tunnel beschert hat, was aber auch okay ist, nach diese langen Pause und erschreckend wenig Training. Mit einem V5 und demnach dem 2. V auf die richtige Karte, ist sie aber immerhin schon mal startberechtigt für die Klubsiegerprüfung vom KfT im September. Der Jumping geht auf meine Kappe. Ich hatte mir bei Polly von Anfang an vorgenommen, mich beim Laufen einfach zu trauen, und das kann ich auch bislang in unseren Läufen durchsetzen. Und ich dachte mir so, ich übernehme diesen Mut einfach bei Lane nach der Babypause. Aber es klappt nicht. Ich traue mich bei Lane einfach nicht. Lane ist nochmal n Tacken schneller als Polly, hat aber viel mehr Kraft und Wumms hinter jedem Sprung. Ich habe echt Schiss, mit ihr zu kollidieren. Tja, und Angsthasen müssen dann einfach auch mal bestraft werden, vor allem, wenn ich mir das Video ansehe und feststelle: Hätte gepasst. Aber so ist das: das nächste Mal traue ich mich, ziehe meine Wechsel durch und zack, habe ich den Hund mit Vollspeed in meinen Beinen hängen…

Turnier bei den Ostbeverns Bibern

Es ist mir einfach nicht vergönnt, auch nur einmal einen Biber zu gewinnen 😀 Man! Also, mit Lane hat es bisher noch nie geklappt und dieses Wochenende musste ich auch noch einen von 2 Tagen absagen und dann gewinnt Polly leider den Jumping und ich sehe am Sonntag weit und breit keine Biber 😀 Nein, Spaß beiseite. Ich habe gerade mega gute Laune, wir hatten gestern einfach einen suuper gelungenen Tag in Ostbevern. Der Tag begann schon hervorragend, als ich Lou auf der anderen Seite des Platzes gesichtet habe: Es musste alles stehen und liegen gelassen werden, um den kleinen Satan zu knuddeln. Das Ergebnis war eine ruinierte Frisur, ultimativ viele Kratzer am Hals, die heute blau-rot unterlaufen sind, und zum Teil aussehen wie Knutschflecken, und Blut im Gesicht… Jap, sie hat mich volle Möhre wiedererkannt. Man, was habe ich mich gefreut. Es ist soooooo toll, dass sie in der Nähe wohnt und wir uns einfach hier und da mal immer wieder über den Weg laufen werden. Lou und Alanis haben sich auch ganz offensichtlich wiedererkannt und waren schwer damit beschäftigt, sich wie gewohnt zu bekämpfen -.- Naja, wie auch immer. Begonnen haben wir mit dem Jumping weil durch das eventuelle Gewitter das Open abgesagt werden sollte und das dann nach hinten gehangen wurde. Die Parcoure von Thorsten und Hubertus laufe ich mit beiden Hunden einfach immer gerne, ja, mir fällt ehrlich gesagt bisher keine Ausnahme ein. Verleitungen, ja, aber völlig realistische Abstände und GUTE Linien für die Hunde. Das liebe ich! Polly ist gelaufen wie am Schnürchen. Ich bin einfach ein verdammter Glückspilz, einen so tollen Hund erwischt zu haben. Sie ist so unglaublich. Am Start hat sie mich das erste Mal angebellt und ich war etwas irritiert, und dachte nur: Oh, no. Bitte nicht! Aber nein, sie saß ganz ganz artig und lief einfach nur super. Im A-Lauf hatten wir extrem gute Kontaktzonen und nachdem ich letzte Woche unseren gesicherten Sieg (sie war die einzige in der A3 Small) Gekonnt ruiniert habe am letzten Hindernis (Wippe nicht stehen lassen und dann zu langsam sein: letzter Sprung von hinten!), war mein absoluter Fokus gestern: Wippe stehen lassen! Hat geklappt, im Prüfungslauf und im Open. Echt gut, ich war sehr stolz. Wir haben die Wippe speziell nochmal am Samstag in den Garten gestellt und ein paar Einheiten gemacht! Hat gefruchtet. Dennoch im A-Lauf nur ein kleiner Fehler: Falscher Tunneleingang, mal wieder auf der Zielgeraden —> Disqualifikation 😉 Eventuell sollte ich da etwas mehr an mir arbeiten, und die Sache ernster angehen und nicht immer denken, dass die Polly das schon macht (in letzter Zeit häufen sich die Fehler an den letzten 4 Hindernissen 😀 ). Ja, die Bilanz ist also unterm Strich wie bisher immer sehr positiv mit Polly. Ich habe nichts zu meckern (wow, ICH habe nichts zu meckern!). Alles, worüber man sich bei Polly beschweren würde, wäre einfach unfair. Also, hier 2 Läufe von uns von gestern und wenn ich es diese Woche nochmal schaffe, dann schreibe ich noch einen Beitrag darüber, wie ich mein Baby beschäftige. Jap, es gibt soooo viel, dass man den Zwergen „auf den Weg“ mitgeben kann. Morgen sind wir (wenn das Wetter dabei ist) im Panorama Park mit den Terriern! Das wird sicher ganz, ganz aufregend!

F a c e b o o k