Ich habe mich die letzten 2 Tage kaum mit etwas anderem befasst als mit dem Inhalt des folgenden Beitrags und der Frage, ob ich zu diesem Thema etwas schreiben möchte oder nicht. Seitdem meine Facebook Seite speziell über meine Hunde online ist, habe ich diesen Blog schon sehr vernachlässigt, was mich aktuell aber nicht besonders stört. Momentan frage ich mich auch, ob ich nicht mal wieder eine längere Pause einlege. Heute hängt sowieso nur noch jeder vor seinem Facebook und die wenigsten machen sich noch die Mühe, eine private Website zu besuchen. Das hat mich auch dazu veranlasst, mir nun vom Herzen zu schreiben, was mich so sehr bewegt und verletzt und mitnimmt. Ich weiß, dass meine Beiträge oft recht emotional behaftet sind und ich möchte mich dafür nicht entschuldigen. Ich habe in den vergangenen Wochen zu viele Diskussionen darüber gehabt, dass ich „zu emotional“ bin. Mittlerweile sehe ich es als eine positive Eigenschaft, da ich denke, dass es zu viele Menschen gibt, denen alles am Arsch vorbei geht, die Dinge einfach ausblenden, wegpacken und überhaupt nicht verarbeiten. Zu viele Menschen, die kalt sind, egoistisch und selbstverliebt. Ich fange jetzt keine Liste an, Menschen aufzuzählen, sonst sitze ich morgen noch hier.
Ich möchte jetzt auch über keinen Verband, keinen Verein, keinen Züchter, keine Einzelperson und vor allem keine Rasse schimpfen. Ich möchte mir einfach nur von der Seele schreiben, was gerade für mich wieder so viel verändert, dass es mir kaum gelingt, einen anderen Gedanken noch zu fassen.
Die Zucht ist erst seit kurzer Zeit ein Thema für mich. Dass ich Polly in der Zucht einsetze, war genau wie bei Lane, nie der Plan oder die Absicht. Mit der Zeit haben sich meine Prioritäten etwas geändert. Ich liebe das Agility nach wie vor, aber die Konkurrenzkämpfe und der Hass dir einem zum Teil entgegengebracht wird sind für mich zeitweise sehr belastend. Oft bin ich auf Turnieren so gestresst, dass ich mich vor Ort frage, warum ich mit meinen Hunden nicht einen Ausflug mit dem Fahrrad, in den Wald oder ans Meer gemacht habe. Aber das ist ein anderes Thema.
Polly wurde 3 mal mit wirklich guten Ergebnissen ausgestellt. Sie hat sich hervorragend entwickelt, und es mag wirklich sehr viele Typen Parson Russell Terrier geben. Abgesehen von ihrem extrem guten Charakter, ihrer liebevollen Art mit Mensch und Hund und ihrer unermüdlichen Arbeitsbereitschaft ist Polly für mich auch optisch das, was ich mir immer vorgestellt habe, wenn ich an den Parson dachte, den ich so gerne haben wollte. Polly verkörpert alles. Polly an meiner Seite zu haben, ist eine so große Bereicherung. Von Polly Nachzucht zu bekommen und zu behalten, würde das Glück einfach nur, genau wie bei Lane, abrunden. So würde mir einfach immer was erhalten bleiben von diesem so genialen Hund. Wir haben also unsere Zuchtzulassung gemacht. Die Voraussetzungen für die Zuchtzulassung für den PRT wurden neuerdings gelockert- was ich mehr als schade finde, aber dazu schreibe ich später noch etwas. Der Parson braucht jetzt eine Augenuntersuchung, die natürlich unauffällig sein muss und wie alle anderen Rassen auch ein DNA Profil, das die Abstammung bestätigt. Beides habe ich mit Polly bei meinem Haustierarzt und der Tierklinik Ahlen machen lassen, beides war super. Gesunde Augen, Abstammung bestätigt. Die Zuchtzulassung im März hat sie uneingeschränkt bestanden. Der Rüde, den ich für sie gewählt habe und den ich auch schon kennengelernt habe, ist wirklich ein für mich seltener Traum. Es gibt so unglaublich viele Parson und so unglaublich wenige, die mir WIRKLICH gefallen. Bei diesem Hund stimmte für mich alles, und er wäre meiner Meinung nach eine ausgesprochen gute Ergänzung für Polly gewesen. Was natürlich anschließend wirklich zur Welt gekommen wäre, hätte man sehen müssen, aber tja, dazu wird es nun nicht mehr kommen.
Wenn man beim PRT an Krankheiten oder Unstimmigkeiten oder sonstige gesundheitliche Auffälligkeiten denkt, fallen einem als erstes Patella ein und natürlich die Taubheit. Früher hat der KfT beides für die Zuchtzulassung vorausgesetzt, da man sowohl die Knie als auch die Ohren untersuchen lassen kann. Heute sind diese Untersuchungen nur noch optional und das kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Ich hatte ein interessantes Gespräch mit einer befreundeten Züchterin über genau dieses Thema. Und sie sagte mir, dass jeder, dem es wichtig ist, diese Untersuchung ja einfach für sich machen kann. Man sollte es als Qualitätsmerkmal der Zucht sehen. Für mich war von vorn herein klar, dass ich beide Untersuchungen machen lasse. Ich habe einfach einen Termin gemacht, 500€ eingesteckt und bin in die Klinik gefahren. Mir war es egal, was es kostet, weil ich einfach finde, dass man als Züchter die Verantwortung übernimmt für gegebenenfalls viele kleine Hundebabies und diese einfach einwandfrei sein sollten- was die Natur anschließend daraus macht, kann natürlich niemand wirklich beeinflussen, aber wenn es diese Untersuchungen gibt, sollte man sie definitiv machen und ich kann nicht verstehen, wie manche an dieser Ecke „sparen“. Das geht nicht in meinen verwirrten Kopf hinein.
Am Mittwoch war ich mit Polly bei einer Tierärztin, die Physiotherapie und Chiropraktik anbietet. Ich wollte gerne, bevor ich mit Polly gestern auf das Turnier fahre, wirklich wissen, ob sie einwandfrei ist von den Pfoten, allen Zehen und dem gesamten Bewegungsapparat. Bis auf eine kleine Blockade im Beckenbereich war alles top, sogar der Zeh wo ihre Kapselzerrung war sagt nicht einen Ton und: die gezogene Kralle scheint nachzuwachsen! Die Ärztin hat auch die Knie untersucht und meinte schon am Mittwoch, sie seien unauffällig.
Am Freitag hatten wir den Termin für das Attest für die Patella Untersuchung und die AEP, die Ohrenuntersuchung. Einige Leute haben mir noch viel Glück gewünscht, was ich total albern fand, weil ich ja schon von Frau Dr. Meermann wusste, dass Polly ok ist und ich selbst weiß, dass sie hört. Das einzige, was mich echt genervt hat war, dass Polly für die Ohrenuntersuchung in eine kurze Narkose gelegt werden musste. Das habe ich erst vor 4 Wochen gehabt in Mendig, als ihr die Kralle gezogen wurde. Aber egal, ich wollte diese Untersuchung unbedingt haben. Der Arzt hat sich das Gangbild angeguckt, die Hinterläufe abgetastet und die Knie für ok befunden. Dann hat er ihr eine Spritze in den Oberschenkel gegeben und Polly sollte schlafen. Hat nicht geklappt. Polly hat sich nur in meine Beine gekrampft und gejammert. Ich fand sie etwas apathisch und bin leicht panisch geworden und durch die Klinik gelaufen um einen Arzt zu finden um ihn mit einer meiner typischen Fragen zu löchern, wenn ich bei meinen Hunden etwas auffällig finde: Ist das normal!? Er hat mir dann einen Anästhesisten daneben gesetzt und dieser fand völlig normal, dass Polly den Kopf so komisch bewegt hat und meiner Meinung nach auffällig gewinselt hat. Es nützte nichts und sie brauchte eine weitere Dosis, weil sie einfach nicht „schlafen“ wollte. Irgendwann, nach 20 Minuten oder so, war sie dann ruhig und sie haben Polly in den Untersuchungsraum mitgenommen. Ich war bereits völlig fertig mit den Nerven und habe nur noch Gejammer und Gewinsel gehört. Das schlimmste war, dass ich nicht einmal zuordnen konnte, ob es von meiner Polly kam oder nicht, weil ich nicht mit in den Untersuchungsraum durfte. Nach 10 Minuten kam der Arzt raus und nahm mich in ein weiteres Zimmer mit, Polly war noch beim Anästhesisten und dort verkündete er mir die frohe Botschaft: Polly ist taub auf dem rechten Ohr.
Das zu schreiben, schießt mir sofort wieder Tränen in die Augen. Ich kann es einfach nicht fassen. Ich hätte jeden, der mir das vorab erzählt hätte, für verrückt erklärt. Ich frage mich nun, ob ich ein schlechter Hundehalter bin, weil ich nie etwas davon mitbekommen habe. Sie hört auf dem rechten Ohr GAR NICHTS. Ich habe den Arzt sogar gefragt, ob es sein kann, dass er sich vertan hat. Ob wir die Untersuchung ein anderes Mal wiederholen sollen, oder ich noch einmal eine zweite Meinung einholen soll. Aber er ist sich definitiv sicher und hat sie 5 mal getestet. Der Hörnerv lässt sich nicht stimulieren. pollyEs wird demnach niemals Polly- Babies geben. Ich werde niemals Polly als Mama erleben und sehen, wie sie kleine, bunte und genauso lustige Welpen groß zieht, wie sie es selbst ist. Wer nach der Wahrheit fragt, kriegt die Wahrheit. Und am meisten nervt mich an der Sache, dass das für mich so selbstverständlich war und ich mich mit dem Thema überhaupt befasst habe. Bis Freitag war die Welt für mich in Ordnung. Hätte ich keine Zuchtambitionen mit ihr gehabt, hätte ich es einfach nicht erfahren und es hätte niemals diese Dimension und diesen Raum erhalten, wie aktuell. Dass ich jetzt insgesamt mit allen Shows, den Untersuchungen und der Zuchtzulassung und allem drum und dran an die 800€ bezahlt habe um mit ihr züchten zu können, was jetzt niemals passieren wird, hat für mich gar keine Bedeutung. Geld ist so bedeutungslos. Einfach nur ein Mittel zum Zweck. Aber meine Polly hört mich und diese Welt nur zu 50%. Das macht mich super fertig. Ich habe mich jetzt mit unzähligen Menschen unterhalten und alle versichern mir, dass es für den Hund keinen Unterschied macht, weil er den Unterschied einfach nicht KENNT. Ich blicke zurück und frage mich, ob es Situationen gegeben HAT, wo mir hätte auffallen MÜSSEN, dass sie mich von der oder der Seite einfach besser oder schlechter hört. Aber ehrlich gesagt hört sie von allen Hunden die ich so habe eigentlich am besten. Lane ist mit ihren 7 Jahren mittlerweile sehr brav und folgsam, aber Polly hört eigentlich so im Allgemeinen am besten. Wenn, dann müsste ich eigentlich mal Alanis‘ Ohren testen lassen. Tja, und jetzt laufe ich durch die Welt, heule seit 3 Tagen und bedanke mich bei meine großzügigen Schicksal, wieder einmal bei mir, an der richtigsten Stelle die es gibt, angeklopft zu haben und rufe die ganze Zeit meinen Hund,  in unterschiedlichen Lautstärken. So albern! Ich habe das Gefühl, mit ihr nicht  mehr schimpfen zu dürfen, vielleicht hört sie mich ja nicht. Das ist alles, was aktuell in meinem Kopf passiert. Vielleicht hört sie mich nicht. Natürlich habe ich Angst, dass sie komplett taub wird, was aber total auszuschließen ist laut Arzt, wenn ihr Trommelfell nicht platzt was ja bei jedem Menschen und Hund passieren kann. Es ist eine genetische Sache, Polly war schon immer einseitig taub und wird es auch, wenn links nichts hinzukommt, für immer bleiben. Und das macht mich unglaublich traurig. Meine starke, tapfere Polly. Wenn ich mir unseren Alltag ansehe, und vor allem die Bilanz der Turniere, die ich mit ihr laufe, sollte mir klar sein, dass es sie gar nicht sonderlich einschränken kann. Sie ist zwar gestern im Jumping in einem Tunnel verschwunden, der noch gar nicht dran war, aber so laut wie ich geschrien habe, hat sie mich definitiv gehört. Aber da geht es eben los. Ich komme aus dem Parcours und frage mich, was sie wohl mitbekommen hat. Es nervt mich so sehr. Sie zuckt bei jedem kleinsten Geräusch zuhause zusammen, auch wenn sie wo anders liegt als die Manchester. Sie hört uns definitiv. Aber eben anders. Ich hoffe, dass das in den nächsten Wochen in meinem Kopf ein wenig in den Hintergrund rückt. Im Moment scheint mich diese Gewissheit zu erdrücken. Und dennoch bin ich froh, dass ich den Test gemacht habe und somit verhindern kann, dass weitere halb taube oder ganz taube Welpen auf die Welt kommen. Auf der anderen Seite wird es niemals eine kleine Kopie meiner genialen Polly geben und der letzte freie Platz, der in meinem Rudel zu vergeben ist, bleibt wohl noch länger frei 🙁 🙁 🙁

Das Turnier gestern hingegen war wenigstens einigermaßen ok. Es war ein KfT Turnier, der OG Düsseldorf. Für mich als KfT Starter eine Pflicht, da ich einen 1. Platz sowohl mit Polly als auch mit Lane vorlegen muss um an der Deutschen Meiterschaft teilnehmen zu können. Ja, mit Lane die selbe Prozedur wie jedes Mal: Start scheiße, Steg scheiße – also Korrektur. Den Jumping hat sie gewonnen, zwar etwas außer Rand und Band aber ich sagte ja, die selbe Prozedur wie jedes Mal. Und mein halb- tauber Hund hat den A- Lauf aus 16 Hunden gewonnen und ist im Jumping wie gesagt ungefragt in einen Tunnel geflitzt. Dennoch habe ich beide Qualis nun, sowohl mit Lane als auch mit Polly was für das 2. Turnier dieses Jahr glaube ich keine sooo schlechte Bilanz ist. Vielleicht klappt es ja wenigstens 2017, mit 2 Hunden an der DM zu laufen. Die Läufigkeiten von Polly spielen nun auch keine Rolle mehr.

4 Kommentare

  1. Hallo, ich bin kein Mensch der oft kommentiert sondern eher der stille Mitleser. Ich schaue regelmäßig auf eure Seite ob es etwas Neues gibt. Ich lese deine Beiträge sehr gerne, kann mich meist sehr gut hineinfühlen und bewundere dich oft wie du manche Situationen meisterst! Es tut sehr mir leid dass ich das von Polly lesen muss und nie wäre ich auf die Idee gekommen das sie nicht richtig hört! Da musst du dir sicher keine Vorwürfe machen! Fühl dich gedrückt!
    Und ja das mit der Narkose ist normal. Auch wenn ich gefühlt schon 38248x dabei war. Beim eigenen Hund bekomme ich fast einen Nervenzusammenbruch wenn er nur kurz zuckt 😉
    Ganz liebe Grüße Lisa

  2. Huhu, obwohl wir uns nicht persönlich kennen, mache ich mir regelmäßig „die Mühe“ um deinen Blog zu lesen, dein Schreibstil ist toll, man merkt dein inniges Verhältnis zu deinen Hunden und in der „Ungerechtigkeit der Welt“ find ich mich auch manchmal wieder.
    Das mit Polly tut mir so leid – so eine schei***e, echt! Das Wichtigste aber ist, dass sie im Alltag keine Einschränkungen hat und sie problemlos damit „alt“ werden kann. Für eure Agility-Starts drücke ich weiterhin alle Daumen und ich werde auch weiterhin hier regelmäßig vorbei schauen 😉

  3. Huhu,

    ich bin auch einer deiner Blog-Leserinnen, wie du weißt. 🙂 Es tut mir so leid, dass es nun doch keine Pollybabys geben wird. Vor allem weil es ja auch den super perfekten Rüden gab. Ach mensch, ich weiß gar nicht so richtig was ich schreiben soll. Fühl dich einfach mal ganz lieb in den Arm genommen.

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