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Ja

Ob ich den heutigen Beitrag „ja“ oder „nein“ nenne, ist mir ganz lange durch den Kopf gegangen. Weil ich aber auf etwas positives aufmerksam machen möchte, habe ich mich für das Ja entschieden. Vorab: nein, es gibt keine Details/ Neuigkeiten zu Tala. Kommt Zeit, kommt Rat. Wer 15 Jahre wartet, kann auch noch eine Zeit x warten:)
Ehrlich gesagt möchte ich nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, oder zu viele persönliche und private Dinge über zum Beispiel meine Beziehung zu Daniel schreiben. Das ist etwas, das ich in der Vergangenheit vielleicht etwas mehr getan habe, woraus ich aber auch sicherlich gelernt habe. Trotzdem gibt es eine Sache, die mich im Moment sehr beschäftigt und sie hängt nun mal mit ihm zusammen.
Es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen uns beiden. Ich bin tendenziell eine Ja- Sagerin und er eher der Nein- Sager. Außer man bittet ihn um einen Gefallen. Da ist er stets bemüht, einem zu helfen und für jemanden da zu sein. Ich möchte ein paar aktuelle und für einige bestimmt schon nervige Dinge als Beispiel benutzen. Hunde.
Es stimmt nicht, dass ich mein Limit nicht kenne. Das wird mir häufiger von nahestehenden Personen vorgeworfen. Ich kenne mein Limit, ich weiß, was ich mir zumuten kann und wie viel ich schaffe. Niemand ist allmächtig oder allwissend und jeder darf sich mal über- oder verschätzen. Davon kann auch ich mich nicht frei sprechen. Aber tendenziell würde ich beim Thema Hund sagen, dass ich ziemlich gut einschätzen kann, was „geht“. Als Kira noch lebte und ich die Wurfplanung mit Lane langsam grob in meinen Gedanken hatte, war es an der Zeit, Daniel in meine Gedanken einzuweihen, weil es den Anschein machte, dass er eventuell ein weiterer Bestandteil meines Lebens bleiben könnte. Seine Reaktion damals war für mich nicht einzuschätzen. Es war etwas zwischen: bist du wahnsinnig? und: warum? wofür?. Ich dachte mir, gut, wo wir nun schon mal dabei sind, sag auch am besten direkt, dass dieser Wurf ein egoistischer Wurf wird, weil du unbedingt eine Hündin daraus behalten möchtest. Daniels Antwort lautete: „Ich finde, 2 Hunde reichen.“ Meine Zählung damals ergab allerdings bereits 3: Kira, Lane & Polly. Ich dachte mir, okay, keine Panik, wird schon. Wird schon. Etwas, dass er gar nicht hören mag. Vielleicht möchte man nicht, dass etwas wird? Vielleicht möchte man genau wissen, was und wie auf einen zukommt!?
Ich frage mich, wann weiß man das? Weißt du heute, was morgen auf dich zukommt, nur weil du von 8.00 – 17.00 arbeiten musst, und danach mit einer Freundin zum quatschen verabredet bist und dein Tag offenbar von- bis ziemlich geplant ist? Weißt du, wie der Weg dahin wird? Was dir auf der Arbeit widerfährt, wem du tatsächlich begegnest, ob du Post bekommst, die dich glücklich macht, oder traurig, oder einen Anruf, dass Person x was auch immer, oder deine Mutter, dein Vater, dein Auto. Vielleicht verlierst du dein Portemonnaie, vielleicht überfährst du eine Katze, vielleicht findest du einen Schlüssel oder du hast plötzlich einen Platten… ich könnte endlos weiter machen. All das wird vermutlich jeden einzelnen Plan durcheinander bringen. Ich denke, die Antwort darauf ist klar.
Es ist naiv, so zu denken. Ja, das ist es. Und trotzdem denke ich, dass es nicht FALSCH ist, so zu denken. Jeder darf für sich bestimmen, wie er gewisse Dinge betrachtet. Und ich habe mich für diese Sicht entschieden, aus vielen guten Gründen. Und jeder neue Tag meines Lebens bestätigt mir die Richtigkeit.
Das Leben IST nicht planbar. Wenn es mir HEUTE gut geht, genieße ich heute. Ich denke schon an meine Zukunft, aber nicht zu viel. Durch meine gesundheitliche Vorbelastung glaube ich nicht, dass ich 100 Jahre alt werde. Daniel will das nicht hören, und wenn es hier etwas bunter zu geht, werde ich auch gerne daran erinnert, dass mich die Einheitsrente erwartet. Wenn ich dieses Wort höre, wenn ich einen Gedanken daran verschwende, spüre ich, dass ich gar nichts spüre. Es ist mir heute total egal. Ich habe keine Rentenverträge, ich zahle nicht sonderlich viel in meine Rentenvorsorge ein, da ich überwiegend selbstständig arbeite. Vielleicht ist es dann zu spät, mir darüber Gedanken zu machen, wenn ich 70 bin, oder werden sollte, aber bis dahin weiß ich, dass ich meine Tage und mein Leben voll und vor allem in einem intensiven Maß genutzt habe. Ich arbeite und denke nur an morgen und die Zukunft, und du lebst im Hier und Jetzt. Das ist sehr krass ausgedrückt und natürlich etwas überspitzt, immerhin stehe ich nicht jeden Tag gegen 10.00 auf, schaffe es gerade eben ins Bad und lasse mich dann überraschen, was RTL II heute so im Programm hat. Aber überspitzt gesagt hat Daniel damit Recht. Wenn ich heute etwas sehe, was mir gefällt, oder sich eine Gelegenheit ergibt, die mir gefällt, ergreife ich sie. Ich sage Ja. Wenn ich das Geld habe, gebe ich es gerne für etwas aus, dass mir Freude bereitet. Ich weiß sehr wohl, dass mein Auto 300.000 gelaufene Kilometer auf dem Tacho stehen hat. Ich kenne die finanzielle Lage, ich weiß, dass ein Haus nicht günstig ist, ich kann mir nur vorstellen, wie viel neue Heizungen für 4 Wohnungen kosten, ein neues Badezimmer, Fliesen oder eine neue Tür. Ich weiß, dass Kosten auf uns zukommen, die man sonst nicht hatte. Schornsteinfeger zum Beispiel. Aber wenn das zu einem Problem führt, kann ich mir dann immer noch Sorgen machen. Tja, und so schaffen wir es, uns manchmal endlos im Kreis zu drehen. Ich frage mich, warum Daniel nicht einfach mal den Hammer oder die Bohrmaschine zur Seite legt und mit Freunden rausgeht, und er fragt sich, wieso ich 3 Hunde habe und am Wochenende nur in den seltensten Fällen Termine vergebe, weil ich der Meinung bin, dass Menschen, die etwas von mir wollen, sich auch 3 Stunden IN DER WOCHE Zeit nehmen können und ich lieber auf ein Turnier fahre? Das ist vermutlich nicht vorausschauend oder weit genug gedacht. Ich finde schon. Wenn ich morgen die dritte Diagnose Krebs bekomme, weiß ich, dass ich so gelebt habe, wie ich es wollte. Ich wäre zufrieden mit meinem Leben. Ich wüsste genau, dass ich das, was ich wollte, gegriffen habe. So darfst du nicht denken. Doch. Darf ich. Es hat zahllose Situationen gegeben, wo ich hätte nein sagen sollen. Als Polly ihr Zuhause verloren hat, wurde sie mir mit 10 Wochen angeboten. Ich habe nein gesagt. Aus vielen Gründen. Nicht zuletzt, weil ich gefragt wurde, ob sie nicht was für uns sei? Uns gab es zu diesem Zeitpunkt exakt 4 Monate nicht mehr, und das hat mich genug beschäftigt. Habe ich mich so getäuscht, oder wollte ich nicht sehen, was die ganze Zeit so offensichtlich war? Tag ein, Tag aus. Immer wieder die selbe Frage. Ich stand 3 Monate vor meinem Umzug, hatte ein gebrochenes Herz, einen inkontinenten alten Hund, Lane, meine Wurfplanung mit Lane und Cape, Petras Hund aus der Schweiz in der Ausbildung. Und war mit allem ALLEINE. Wofür hätte ich noch einen Hund gebraucht? Die Antwort war nicht nur nein, die Antwort war definitiv nein. Sowas von nein. 2 Wochen später wurde der Post von Polly bei Facebook wiederholt. Ich weiß nicht, was mich dazu bewegt hat, ich habe ihn mit „…“ kommentiert. Nichtsaussagende 3 blöde Punkte. Daraufhin hat Martina mich angeschrieben und mir den Hund natürlich angepriesen. Ich habe gesagt, ich überlege es mir, wenn meine Nachsorgeuntersuchung unauffällig ist. So war es dann. Freitag Polly angeschaut. Immer noch nicht Ja gesagt. Und am Sonntag saß ich rum auf der Doglive, mein Herz hat einen Satz gemacht, ich bin raus, habe mein Handy die Hand genommen, Sandra angerufen und ihr gesagt, dass ich ja sage, auch wenn ich nicht weiß, ob ich das richtige tue. Ich habe das richtige getan.
24 Stunden später habe ich mich das erste Mal wirklich mit Daniel unterhalten. Ich habe eine Wohnung gesucht, die so klein ist, dass nur ich alleine mit meinen Hunden hinein passe. Kein Mann mehr in meinem Leben. Keine Beziehung mehr. Ich habe nein gesagt. Tja. Und heute bin ich hier.
Ich entsinne mich einfach nicht, mir fällt keine Situation ein, wo ich hätte lieber nicht ja sagen sollen. Ach, doch, in meiner letzten Beziehung. Nach 3 Monaten wäre ein guter Zeitpunkt gewesen NEIN! zu sagen. Nicht nach 2 Jahren. Und nach dem ersten Mal Trennung. Nicht dem 37. Stimmt. Ansonsten fällt mir nichts ein. Gar nichts.
Wir können auf Gelegenheiten warten. Wir können unser Glück aber auch ein wenig fördern. Offen sein mit Auge und Herz, für das, was um uns herum geschieht, und uns ein kleines, bejahendes Hintertürchen aufhalten, selbst wenn wir eher der Nein- Sager sind oder unserer Antwort tendenziell Nein lautet. Ich finde, dass jede Gelegenheit eine Chance verdient hat. Und wer weiß wann die nächste kommt! Was kommt, weiß sowieso nur der liebe Gott. Ich glaube ganz fest daran, dass die Dinge, die uns widerfahren immer zur richtigen Zeit in der richtigen Intensität am richtigen Ort passieren. Immer. Ich glaube, dass jedes Ereignis, jede Begegnung, jede gebotene Gelegenheit, egal, wie sie ausgeht, jeder Mensch, dem wir begegnen, egal ob er Teil unseres Lebens bleibt oder nicht, seinen festen Platz auf unserem Weg hat. Manchmal lohnt es sich, Entscheidungen noch einmal zu überdenken. Manchmal lohnt es sich, nicht immer auf den perfekten Moment zu warten. Wann ist der perfekte Moment überhaupt? Manchmal lohnt es sich, Gelegenheiten zu ergreifen. Sonst ergreift sie wer anders. Sag ja zum Leben, sag ja zur Liebe, ja zu Hundewelpen und ja, zu Hunden, die morgens mit dir im Bett kuscheln wollen. Auch wenn die Antwort tendenziell eher Nein lautet. IMG_20171109_070053

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