Dogs in action

Deutsche Meisterschaft

Meine erste Deutsche Meisterschaft mit Polly reiht sich wunderbar, also wirklich PERFEKT, in sämtliche Meisterschaften ein, die ich so gelaufen bin. Und ich befürchte, es wird wieder ein langer mühsamer Text. Vielleicht gibt es ja trotzdem den einen oder anderen, der sich dafür interessiert, und so schreibe ich mir mal wieder meinen Frust und meine Traurigkeit von der Seele.
Der Donnerstagabend hier war aus privaten Gründen nicht so gut, und ich hatte echt ein scheiß Gefühl im Magen. Ich mag es nicht, wenn ich mit solch einem Gefühl auf Turniere egal welcher Art fahre. Für mich muss das Drumherum zwingend stimmen, sonst habe ich keinen freien Kopf. Am Freitagmorgen hat Daniel mich dann mehr oder weniger überrascht damit dass er frei hatte. Wir haben also wirklich in aller Ruhe gefrühstückt, Klamotten gepackt, er hat sein Auto noch sauber gesaugt und dann haben wir Anton angehängt und haben uns echt gemütlich auf den Weg nach Leipzig gemacht. Unterwegs ein bisschen Stau, aber kein Problem, wir hatten genug Zeitpuffer. Als wir am Campingplatz angekommen sind hielt ein junger Mann in einem Auto neben uns an und kurbelte seine Scheibe runter. Ich weiß bis heute nicht genau, was er wollte. Er schaute uns nicht wirklich an. Kurbelte seine Scheibe runter und wartete darauf, dass Daniel was sagt. Als Daniel ihm dann gesagt hat, dass wir einen Stellplatz reserviert hätten, sagte er, ja, mhm, bla und er wüsste nicht genau aber wir sollten mal zum Beach Club. Häääää? Das wusste ich alles auch schon ohne seine „Hilfe“. Wir also los und dann fing der erste Terror an. Bildschirmfoto-2016-01-05-um-17-06-10

Wir kamen von der oben eingezeichneten roten Linie, es war stockdunkel, es hat geregnet. Auf einem so großen Gelände keine beleuchteten Wege, nicht mal ein Schild an einer Kreuzung, wo dieser blöde Beach Club ist. Ich bin mehrere Male ausgestiegen und durch den Regen gerannt weil Daniel Angst hatte, dass wir Berg runter irgendwo mit dem Wohnwagen hinten dran rein fahren, und nicht mehr wenden können. Mega mühsam. Am Beach Club angekommen hat dann alles geklappt. Immerhin. Der Mann an der Rezeption war super nett und der Preis mit 36€ bei zwei Übernachtungen mehr als fair. Wir also wieder hoch und einen Stellplatz gesucht. Die Stellplätze oben sollten wir nutzen und so wollten wir um die Ferienhäuser einmal drumherum fahren, um uns einen Überblick zu verschaffen, wo welche Plätze noch frei sind um niemandem auf die Pelle zu rücken. Tja, dumm nur, dass man nicht im Kreis fahren kann, weil dort oben einfach eine Sackgasse ist, die ebenfalls nicht ausgeschildert ist. Man erkennt es im Dunkeln einfach gar nicht. Also mussten wir den Wohnwagen abhängen, drehen, das Auto drehen und wieder dran hängen. Man konnte natürlich auch dort nicht wenden. Dann haben wir den nächstbesten Stellplatz genommen und Anton einfach abgestellt!
Anschließend wollte ich zur Halle, weil wir ab 18.00 Uhr melden konnten und so hätte ich mich am nächsten Morgen nicht stressen müssen. Gesagt, und fast getan. Denn dann fing der zweite Horror an. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum man eine sportliche Veranstaltung auf so hohem Niveau im Rahmen der Welthundeausstellung auf einem völlig irreführenden Messegelände machen muss. Mir sind nur 2 Gründe eingefallen: Viele Zuschauer und Geld. Das wars. Auf dem Weg in Halle 2, in die man gelang durch Halle 4 haben wir ungelogen 6 (!!!) Leute gefragt, wo der Eingang Ost ist. Wirklich. Ich übertreibe nicht. Darunter waren 2 Parkplatzeinweiser, ein privater Mensch, der direkt an der Bushaltestelle am Messegelände stand, eine Frau von der Garderobe IM Messegelände, ein Mann an der Info, der mir versicherte ich würde mich definitiv täuschen, denn es wäre kein Mensch da, es gäbe keine Tierärzte mehr vor Ort und er hätte NICHTS von einer Deutschen Meisterschaft gehört, und letztendlich noch ein Mann am Eingang der mir den langen, langen Weg bis dahin erklärte. Daniel ist mit dem Auto einen Weg gefahren, der nur für Busse und Taxen vorgesehen war. Uns war aber mittlerweile sogar das Knöllchen genehm, da wir einfach KEINEN ANDEREN WEG gefunden haben. Auf dem ganzen Gelände, auf den ganzen Straßen war KEIN EINZIGES Schild mit dem Eingang Ost. Es gab nur Nord und Süd. Ja, vermutlich reicht das für alle, die sich immer mega gut orientieren können. Als der Orientierungssinn vergeben wurde, hatte ICH mich aber bereits verlaufen und habe davon 0 mitbekommen. Nicht mal 1%. Daniel hingegen ist ein Genie! Er orientiert sich an Himmelsrichtungen, an geparkten Autos, die natürlich für immer und ewig an einer Stelle stehen und an Grashalmen. Tja und nicht mal er hat es auf die Reihe bekommen. Ich fahre die Rolltreppe also hoch, den langen komischen Tunnelgang da durch, 2,8 Kilometer durch Halle 4, wo ich so viel Zeit hatte dass ich Daniel die ganze Story per Whatsapp tippen und ihm versichern konnte, dass alles ok ist und ich nicht verloren gegangen bin, wo ich anschließend links in die Halle 2 abbiegen konnte. Vorab noch ein anderes Dilemma: Ich war, das habe ich am Freitagmorgen 1 Stunde vor der Abfahrt natürlich erst bemerkt, anscheinend die einzige von allen, die KEINE Eintrittskarte hat zugeschickt bekommen vom VDH. Ich habe wirklich ALLES gecheckt. Spam, Eingang, sogar Ausgang, was gar keinen Sinn macht und die gelesenen und gelöschten. Nichts. VDH erreichen war natürlich aber auch nicht mehr wegen Welthundeausstellung 🙂 Danke!
Vor Ort ging dann alles reibungslos. Ich hatte den Eindruck, dass die Organisatoren der Deutschen Meisterschaft und die einzelnen Verbände, die die WDS organisiert haben, sehr, sehr gut organisiert waren. Zumindest kann ich das wenigstens für die DM sagen, und das Feedback, was ich gelesen habe über die Shows war genauso. Eine Eintrittskarte habe ich dann ohne Probleme mit der leichten, ins lächerliche gezogenen Unterstellung, ja ja, das sagen ja alle, einfach bekommen. Wenigstens das. Zurück zum Wagen hatte ich Daniel schon mit 3 Polizeiwagen, einem Fahrverbot oder einem Tobsuchtanfall erwartet. Gott sei Dank hat alles nur in meiner Fantasie stattgefunden.
Die Nacht war dann gut. 3 Hunde, die sich ins Bett gemogelt haben, aber gar nicht genervt haben. Frühstück war gut, und Parkplatz hat Daniel dann auch gefunden vor der Halle 4, durch die wir ja mussten um in Halle 2 zu gelangen. Und dann ging der Horror weiter 😀 Wir da, aber kein Tierarzt, also niemand, der meine Impfpässe hätte kontrollieren können. Das mit der Impfpasskontrolle ist ja auch so ein Ding, dass sich mir nicht erschließt. Ich finde, das ist eine Formalität, die gemacht wird, aber völlig sinnlos ist. Ich hatte eine Mappe dabei. Daraus habe ich immer einen Impfpass geholt und direkt auf Tollwut aufgeschlagen. Niemand hat die Identität meiner Hunde überprüft. Wenn ich nur diesen einen gehabt hätte, hätte ich ihn 2 mal wieder rein tun können und 3 mal rausgeholt und alle Hunde wären Tollwut geimpft… ? Ich finde diese Maßnahmen richtig, aber dann auch wirklich sinnvoll durchziehen und nicht so, wenn man da schon den ganzen Tag steht. Ehrlich. Wir mussten also zu einer ganz anderen Halle, und von dort mindestens 10 Minuten von außen laufen, bis wir irgendwo angekommen sind wo wir dann weiter gehen konnten. Die Begrüßung haben wir damit verpasst.
Als wir ankamen, lief gerade der erste Large Hund. Die Hunde durften auch mitgenommen werden auf die Tribüne, aber keine Boxen. Dafür gab es aber ausreichend Platz hinter der Tribüne. Die Parcoure fand ich alle einfach – einer Meisterschaft entsprechend. Ich fand die Large Parcoure ehrlich gesagt am schwierigsten, aber die habe ich auch nicht von innen gesehen. Mit den Small Parcouren war ich mehr als zufrieden. Tja, und dann ging meine kleine Polly mit der Startnummer 221 auf ihrer ersten Deutschen Meisterschaft in den Ring.

Man muss ganz genau hinsehen, um zu sehen, dass der Richter mir an Hindernis 5, also der Hürde nach der ersten A- Wand einen Fehler gibt. Aber es ist egal wie oft man hinschaut, man erkennt keinen Fehler. Polly hat weder gerissen, noch verweigert. Also kann es nur eine Berührung sein. Vermutlich hat sie mein Bein irgendwie gestreift, denn ich habe mich nicht zu ihr heruntergebeugt oder sonst was. Es hat sich mir keinerlei Vorteil erschlossen durch das, was passiert ist, aber niemand gesehen hat. Ich hatte eine wahnsinnig gute Zeit. Eine Zeit, die für den 3. Platz von 66 Huden gereicht hätten. Weniger als 2 Sekunden hinter Tobias Wüst. Tja, aber mit einem Fehler war ich eben nur auf Platz 16.
Ich habe mich über den guten, wirklich runden Lauf gefreut und mir alle Mühe gegeben, nicht zu enttäuscht zu sein. Ich habe gehofft, dass ich nun einen richtig blöden, schlechten Jumping laufe mit 3 Stangen, oder einfach einem falschen Tunnel, damit ich mir sagen kann, siehste, hätte dir eh nichts gebraucht.
Als der Jumping dann stand, wusste ich, auch dieser Parcours liegt uns. Gerade als ich zum Start gehen wollte machte die Polly aber ernsthaft Anstalten, ihr großes Geschäft zu verrichten. Da ich sie aufgehalten habe, musste ich sie unter den Arm nehmen und hatte Angst, dass sie in den Parcours kackt (kein Scherz) also bin ich, während die Deutsche Meisterschaft Live übertragen wurde zum Richter, habe ihm erzählt, dass mein Hund kacken muss und gefragt, ob ich gerne gleich starten darf. Ob er so nett wäre, mich NICHT zu disqualifizieren. Aber der Marcel ist da ja wirklich extrem nett. Alles kein Problem. Vorab zur Verdauung meiner Hunde: Alle meine Hunde haben morgens ihr großes Geschäft verrichtet. Die Manchester verdauen etwas anders als Polly. Alanis hat einen zweiten Haufen im Eingang der Halle gelegt, was super untypisch ist, ja sie sind stubenrein, und Lane einen zweiten auf dem Weg zum richtigen Eingang. Polly dann ihren zweiten vor ihrem Start im Jumping. Ich hatte nie auf dem Schirm, wie oft und in welchen Mengen Hunde, die irgendein no-name Trockenfutter bekommen, scheißen. Mein Fleisch war am Freitagabend nicht aufgetaut, da ich es in einer Dose in tausend Folien transportiert hatte, weil die Verpackungen manchmal undicht sind und ich nicht überall Blut haben wollte. So, und dann kacken meine Hunde am nächsten Tag wie die Weltmeister? Das gibt’s nicht. Das gibt’s einfach nicht. Polly ging dann also als letzte an den Start und war VÖLLIG drüber, weil wir schon so lange in der Halle rumgehampelt haben. Ich konnte sie kaum noch am Start absetzen (das habe ich alles raus geschnitten).

Natürlich. Und dann läuft der bislang konstanteste Hund, den ich je hatte, einen zweiten Nuller. Ach ne, der erste Lauf war ja keiner. Und spätestens als ich die Gesamtergebnisse gesehen habe, war meine Laune richtig im Keller. pollyergebnis

Mit der Gesamtzeit war Polly der zweitschnellste Hund. Aber wegen einem Berührungsfehler, dem einzigen auf der gesamten Deutschen Meisterschaft, ist sie 7. geworden.
Abgerundet wurde meine erste Deutsche Meisterschaft mit meinem Parson Russell Terrier nicht nur durch einen geplatzten Reifen von Anton, der vom ADAC abgeschleppt werden musste. Nein. Abgerundet wurde meine erste Deutsche Meisterschaft mit meinem Parson Russell Terrier durch einen geplatzten Reifen von Anton, der, obwohl Daniel SOFORT auf dem Seitenstreifen angehalten hat, uns den ganzen Boden zerschossen hat. anton

Und das sind dann die Ausflüge wo du dich wirklich fragst, ob es die Sache wert ist. Es ist schwer, jetzt gerade positiv zu bleiben. Ich glaube, dass gute Hunde konstante Hunde sind. Und ich glaube, dass konstante Hunde irgendwann ihre Chance kriegen werden. Dieses Ergebnis ändert auch nichts an meinem Hund oder macht, dass er weniger gut ist. Mit 2 für mich fehlerfreien Läufen habe ich nun gesehen, wo die Polly auf diesem Niveau einzustufen ist. Das ist schön. Und jetzt gebe ich mir ganz, ganz viel Mühe, mich auf die Classics zu freuen kommendes Wochenende obwohl ich noch nicht weiß, wo wir schlafen.

Ja

Ob ich den heutigen Beitrag „ja“ oder „nein“ nenne, ist mir ganz lange durch den Kopf gegangen. Weil ich aber auf etwas positives aufmerksam machen möchte, habe ich mich für das Ja entschieden. Vorab: nein, es gibt keine Details/ Neuigkeiten zu Tala. Kommt Zeit, kommt Rat. Wer 15 Jahre wartet, kann auch noch eine Zeit x warten 🙂
Ehrlich gesagt möchte ich nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, oder zu viele persönliche und private Dinge über zum Beispiel meine Beziehung zu Daniel schreiben. Das ist etwas, das ich in der Vergangenheit vielleicht etwas mehr getan habe, woraus ich aber auch sicherlich gelernt habe. Trotzdem gibt es eine Sache, die mich im Moment sehr beschäftigt und sie hängt nun mal mit ihm zusammen.
Es gibt einen sehr großen Unterschied zwischen uns beiden. Ich bin tendenziell eine Ja- Sagerin und er eher der Nein- Sager. Außer man bittet ihn um einen Gefallen. Da ist er stets bemüht, einem zu helfen und für jemanden da zu sein. Ich möchte ein paar aktuelle und für einige bestimmt schon nervige Dinge als Beispiel benutzen. Hunde.
Es stimmt nicht, dass ich mein Limit nicht kenne. Das wird mir häufiger von nahestehenden Personen vorgeworfen. Ich kenne mein Limit, ich weiß, was ich mir zumuten kann und wie viel ich schaffe. Niemand ist allmächtig oder allwissend und jeder darf sich mal über- oder verschätzen. Davon kann auch ich mich nicht frei sprechen. Aber tendenziell würde ich beim Thema Hund sagen, dass ich ziemlich gut einschätzen kann, was „geht“. Als Kira noch lebte und ich die Wurfplanung mit Lane langsam grob in meinen Gedanken hatte, war es an der Zeit, Daniel in meine Gedanken einzuweihen, weil es den Anschein machte, dass er eventuell ein weiterer Bestandteil meines Lebens bleiben könnte. Seine Reaktion damals war für mich nicht einzuschätzen. Es war etwas zwischen: bist du wahnsinnig? und: warum? wofür?. Ich dachte mir, gut, wo wir nun schon mal dabei sind, sag auch am besten direkt, dass dieser Wurf ein egoistischer Wurf wird, weil du unbedingt eine Hündin daraus behalten möchtest. Daniels Antwort lautete: „Ich finde, 2 Hunde reichen.“ Meine Zählung damals ergab allerdings bereits 3: Kira, Lane & Polly. Ich dachte mir, okay, keine Panik, wird schon. Wird schon. Etwas, dass er gar nicht hören mag. Vielleicht möchte man nicht, dass etwas wird? Vielleicht möchte man genau wissen, was und wie auf einen zukommt!?
Ich frage mich, wann weiß man das? Weißt du heute, was morgen auf dich zukommt, nur weil du von 8.00 – 17.00 arbeiten musst, und danach mit einer Freundin zum quatschen verabredet bist und dein Tag offenbar von- bis ziemlich geplant ist? Weißt du, wie der Weg dahin wird? Was dir auf der Arbeit widerfährt, wem du tatsächlich begegnest, ob du Post bekommst, die dich glücklich macht, oder traurig, oder einen Anruf, dass Person x was auch immer, oder deine Mutter, dein Vater, dein Auto. Vielleicht verlierst du dein Portemonnaie, vielleicht überfährst du eine Katze, vielleicht findest du einen Schlüssel oder du hast plötzlich einen Platten… ich könnte endlos weiter machen. All das wird vermutlich jeden einzelnen Plan durcheinander bringen. Ich denke, die Antwort darauf ist klar.
Es ist naiv, so zu denken. Ja, das ist es. Und trotzdem denke ich, dass es nicht FALSCH ist, so zu denken. Jeder darf für sich bestimmen, wie er gewisse Dinge betrachtet. Und ich habe mich für diese Sicht entschieden, aus vielen guten Gründen. Und jeder neue Tag meines Lebens bestätigt mir die Richtigkeit.
Das Leben IST nicht planbar. Wenn es mir HEUTE gut geht, genieße ich heute. Ich denke schon an meine Zukunft, aber nicht zu viel. Durch meine gesundheitliche Vorbelastung glaube ich nicht, dass ich 100 Jahre alt werde. Daniel will das nicht hören, und wenn es hier etwas bunter zu geht, werde ich auch gerne daran erinnert, dass mich die Einheitsrente erwartet. Wenn ich dieses Wort höre, wenn ich einen Gedanken daran verschwende, spüre ich, dass ich gar nichts spüre. Es ist mir heute total egal. Ich habe keine Rentenverträge, ich zahle nicht sonderlich viel in meine Rentenvorsorge ein, da ich überwiegend selbstständig arbeite. Vielleicht ist es dann zu spät, mir darüber Gedanken zu machen, wenn ich 70 bin, oder werden sollte, aber bis dahin weiß ich, dass ich meine Tage und mein Leben voll und vor allem in einem intensiven Maß genutzt habe. Ich arbeite und denke nur an morgen und die Zukunft, und du lebst im Hier und Jetzt. Das ist sehr krass ausgedrückt und natürlich etwas überspitzt, immerhin stehe ich nicht jeden Tag gegen 10.00 auf, schaffe es gerade eben ins Bad und lasse mich dann überraschen, was RTL II heute so im Programm hat. Aber überspitzt gesagt hat Daniel damit Recht. Wenn ich heute etwas sehe, was mir gefällt, oder sich eine Gelegenheit ergibt, die mir gefällt, ergreife ich sie. Ich sage Ja. Wenn ich das Geld habe, gebe ich es gerne für etwas aus, dass mir Freude bereitet. Ich weiß sehr wohl, dass mein Auto 300.000 gelaufene Kilometer auf dem Tacho stehen hat. Ich kenne die finanzielle Lage, ich weiß, dass ein Haus nicht günstig ist, ich kann mir nur vorstellen, wie viel neue Heizungen für 4 Wohnungen kosten, ein neues Badezimmer, Fliesen oder eine neue Tür. Ich weiß, dass Kosten auf uns zukommen, die man sonst nicht hatte. Schornsteinfeger zum Beispiel. Aber wenn das zu einem Problem führt, kann ich mir dann immer noch Sorgen machen. Tja, und so schaffen wir es, uns manchmal endlos im Kreis zu drehen. Ich frage mich, warum Daniel nicht einfach mal den Hammer oder die Bohrmaschine zur Seite legt und mit Freunden rausgeht, und er fragt sich, wieso ich 3 Hunde habe und am Wochenende nur in den seltensten Fällen Termine vergebe, weil ich der Meinung bin, dass Menschen, die etwas von mir wollen, sich auch 3 Stunden IN DER WOCHE Zeit nehmen können und ich lieber auf ein Turnier fahre? Das ist vermutlich nicht vorausschauend oder weit genug gedacht. Ich finde schon. Wenn ich morgen die dritte Diagnose Krebs bekomme, weiß ich, dass ich so gelebt habe, wie ich es wollte. Ich wäre zufrieden mit meinem Leben. Ich wüsste genau, dass ich das, was ich wollte, gegriffen habe. So darfst du nicht denken. Doch. Darf ich. Es hat zahllose Situationen gegeben, wo ich hätte nein sagen sollen. Als Polly ihr Zuhause verloren hat, wurde sie mir mit 10 Wochen angeboten. Ich habe nein gesagt. Aus vielen Gründen. Nicht zuletzt, weil ich gefragt wurde, ob sie nicht was für uns sei? Uns gab es zu diesem Zeitpunkt exakt 4 Monate nicht mehr, und das hat mich genug beschäftigt. Habe ich mich so getäuscht, oder wollte ich nicht sehen, was die ganze Zeit so offensichtlich war? Tag ein, Tag aus. Immer wieder die selbe Frage. Ich stand 3 Monate vor meinem Umzug, hatte ein gebrochenes Herz, einen inkontinenten alten Hund, Lane, meine Wurfplanung mit Lane und Cape, Petras Hund aus der Schweiz in der Ausbildung. Und war mit allem ALLEINE. Wofür hätte ich noch einen Hund gebraucht? Die Antwort war nicht nur nein, die Antwort war definitiv nein. Sowas von nein. 2 Wochen später wurde der Post von Polly bei Facebook wiederholt. Ich weiß nicht, was mich dazu bewegt hat, ich habe ihn mit „…“ kommentiert. Nichtsaussagende 3 blöde Punkte. Daraufhin hat Martina mich angeschrieben und mir den Hund natürlich angepriesen. Ich habe gesagt, ich überlege es mir, wenn meine Nachsorgeuntersuchung unauffällig ist. So war es dann. Freitag Polly angeschaut. Immer noch nicht Ja gesagt. Und am Sonntag saß ich rum auf der Doglive, mein Herz hat einen Satz gemacht, ich bin raus, habe mein Handy die Hand genommen, Sandra angerufen und ihr gesagt, dass ich ja sage, auch wenn ich nicht weiß, ob ich das richtige tue. Ich habe das richtige getan.
24 Stunden später habe ich mich das erste Mal wirklich mit Daniel unterhalten. Ich habe eine Wohnung gesucht, die so klein ist, dass nur ich alleine mit meinen Hunden hinein passe. Kein Mann mehr in meinem Leben. Keine Beziehung mehr. Ich habe nein gesagt. Tja. Und heute bin ich hier.
Ich entsinne mich einfach nicht, mir fällt keine Situation ein, wo ich hätte lieber nicht ja sagen sollen. Ach, doch, in meiner letzten Beziehung. Nach 3 Monaten wäre ein guter Zeitpunkt gewesen NEIN! zu sagen. Nicht nach 2 Jahren. Und nach dem ersten Mal Trennung. Nicht dem 37. Stimmt. Ansonsten fällt mir nichts ein. Gar nichts.
Wir können auf Gelegenheiten warten. Wir können unser Glück aber auch ein wenig fördern. Offen sein mit Auge und Herz, für das, was um uns herum geschieht, und uns ein kleines, bejahendes Hintertürchen aufhalten, selbst wenn wir eher der Nein- Sager sind oder unserer Antwort tendenziell Nein lautet. Ich finde, dass jede Gelegenheit eine Chance verdient hat. Und wer weiß wann die nächste kommt! Was kommt, weiß sowieso nur der liebe Gott. Ich glaube ganz fest daran, dass die Dinge, die uns widerfahren immer zur richtigen Zeit in der richtigen Intensität am richtigen Ort passieren. Immer. Ich glaube, dass jedes Ereignis, jede Begegnung, jede gebotene Gelegenheit, egal, wie sie ausgeht, jeder Mensch, dem wir begegnen, egal ob er Teil unseres Lebens bleibt oder nicht, seinen festen Platz auf unserem Weg hat. Manchmal lohnt es sich, Entscheidungen noch einmal zu überdenken. Manchmal lohnt es sich, nicht immer auf den perfekten Moment zu warten. Wann ist der perfekte Moment überhaupt? Manchmal lohnt es sich, Gelegenheiten zu ergreifen. Sonst ergreift sie wer anders. Sag ja zum Leben, sag ja zur Liebe, ja zu Hundewelpen und ja, zu Hunden, die morgens mit dir im Bett kuscheln wollen. Auch wenn die Antwort tendenziell eher Nein lautet. IMG_20171109_070053